Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Einleitung zu David ben Merwans Religionsphilosophie wiedergefunden
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 8)
- Language
- German
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55 (VIII, 8 L). Der Verfasser ist vertraut mit der Geschichte der Samaritaner, kennt die Geschichte des Christentums und Islams und bringt Traditionen, die anderweitig unbekannt zu sein scheinen. Die Angaben über die Sekte selbst lassen keinen Zweifel darüber, daß wir es mit den Amramif en zu tun haben, die mit den Achbariten verwandt gewesen sind. Wir wissen von den Amramiten, daß sie in der Verehrung des Neumondes den Arabern gefolgt sind ,(s. Pinsker, Lik. Kadm. 100). Ferner wissen wir von den Achbariten, daß sie das Wochenfest am Sonntag feierten (vgl. Poznanski, REJ XXXIV, 160). Sie scheinen aber auch eine den Samaritanern ähnliehe Beachtung des Sabbatgesetzes gehalten zu haben. Ferner waren sie beeinflußt von den Lehren der Barähima, deren Lehren wir ja auch aus Saadjas Emunoth we Deoth kennen (Guttmann a. a. O. 152 ff. und 155 1). Es ist bekannt, daß die Barahima das Zeremonialgesetz bekämpften (s. Schahrestani I, 36, Guttmann 157, 1). Wir werden uns die Sache so darstellen müssen, daß unter dem Einflüsse der herrschenden arabischen Philosophie eine Sekte, im Judentume entstanden ist, die sich von der Gemeinde absonderte und auf Abwege geraten ist. Wie weit der Historiker dem Urteile des Verfassers Glauben schenken und die Sekte verurteilen darf, ist eine andere Frage. Die Beurteilung und Verdammung sind so allgemein gehalten, daß sie auf viele Sekten, auch auf die neuesten in unserer Zeit passen würden. Diese Art von Literaturerzeugnissen haben nicht nur die gemeinsame Tendenz der Intoleranz und des Parteidünkels, sondern auch gemeinsame Zitate aus der Schrift als Beweise. Die Erwähnung ,,des Hauses Amram“ in der Schrift der Sektierer scheint aber auf die Amramiten hinzuweisen. Näheres dürfte sich vielleicht auch aus der Erwähnung einer messianischen Erwartung und ihrer Nichterfüllung ergeben. Die Worte Daniels (2!4) werden oft auf diejenigen bezogen, die sich anmaßen, die Zeit der Erlösung zu bestimmen und straucheln (vgl. auch T־S. 10, K. 20, 1, jetzt veröffentlicht REJ. LXXI, 90, worüber in einem andern Zusammenhänge Näheres mitgeteilt wird). Die jüdische Geschichte ist aber so reich an unerfüllten messianischen Erwartungen,. daß man selbst in einer bestimmten Periode oft nur zu mehr oder weniger begründeten Vermutungen greifen muß. Die Erwähnung der arabischen Theologen und Philosophen Djubbai und Abu Hashim verweisen uns in die ersten Jahrzehnte des zehnten Jahrhunderts, also in die Zeit Saadias, in der man messianische Hoffnungen gepflegt hat (s. Guttmann 233; 1, S. Poznanski, MGWJ XLIV, 400 ff., REJ. XVIII, 51, הגולן II, 100). Damit sind wir auch beim Verfasser der Fragmente angelangt. ׳