Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 14)
- Language
- German
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47 Geiste der Wertschätzung des Kindes zeugen auch die Schriftdeutungen der Lehrer über die Freude Saras, Rachels und Hannas, als sie von Gott bedacht wurden1. Es konnte selbstverständlich nicht fehlen, daß auch Traumdeutungen sich im Gedankenkreise von Kinderreichtum und Kinderlosigkeit bewegten. Wer Oelbäume im Traume sieht, wird sich reichen Kindersegens erfreuen2. Raba träumte, daß ihm die Zähne ausfielen, was ihm als Vorzeichen des Sterbens seiner Kinder gedeutet wurde3. Ueberhaupt bildete Fruchtbarkeit und Kinderreichtum ein Motiv, welches die Lehrer mit besonderer Vorliebe behandelten Und welches sie Schriftdeutungen und Worterklärungen vielfach zugrunde* legten. ,,Und am Weinstocke waren drei Reben, und als er grünte brach die Blüte hervor“ (Gen 4010). Der Weinstock ist Israel, die drei Reben sind die drei Wallfahrtsfeste, und ,,als er grünte brach die Blüte hervor“ heißt: für Israel ist die Zeit gekommen, fruchtbar zu sein und zahlreich zu werden4. Chuschim (Gen 4623) war nicht der Name des Sohnes Dans; die Mehrzahl weist vielmehr darauf hin, daß die Söhne Dans so zahlreich waren wie Binsenstauden (5(חושים של קנה. Der Name Schifra (שפלה Ex 115) wird von ,פלד fruchtbar sein abgeleitet und ist eine Anspielung auf die zu ihrer Zeit starke Vermehrung Israels6. Derselben Etymologie gehört auch der Name der. Wüste ,,Paran“7 und die Bezeichnung פוליא für Ehebett8 an, 1 Wer andere kränkt, bleibt nicht ungestraft, Sara hingegen, die sich selbst betrübte, wurde belohnt (Gen. r. 53. Anf. Tanchuma 26a.) ,,Frischen Baum ließ ich vertrocknen und machte trockenen Baum erblühen“. (Ez. 172*)• ״der frische Baum vertrocknete, das war die Frau Abimelechs, der trockene Baum erblühte, das ist Sara“. (Gen. r. 53 Anf. Tanchuma 26a.) Ein Lachen hat mir Gott bereitet (Gen 216) Wenn dem Rüben eine Freude zuteil wird, was hat Simon davon? Allein es herrschte bei der* Geburt Isaks eine allgemeine Freude, denn mit Sara wurden noch andere kinderlose Frauen mit Kindern bedacht. (Pesikta B. 146a. Pesikta r. 177a. Gen r. 53, 8.) Er gibt Brot dem Hungrigen (Psalm 1467) bezieht sich auf Rachel, dieN nach Kindern hungerte. (Tanchuma 36b.) Die Worte: Gott tötet und belebt (I Sam. 2G) sprach Hanna in dem Sinne, daß sie, solange sie Kinder entbehrte, einer Toten glich, nun aber wurde sie durch den Kindersegen zum Leben erweckt. (Wertheimer, Kleine Midrasch im IV, 8.) Das Psalmwort: den Willen derer, die ihn ehrfürchten tut, er (Psalm 1452 ), ist auf Hanna anzuwenden, deren Gebet nicht unerhört blieb. (Pesikta r. 43 — 179b.) 2 Berachoth 57a. Schocher Tob zu Psalm 128, 3. a Berachoth 56a. 4 Cholin 92a. Ä B.' Bathra 143b. 6 Sotah 11b. 7 Sabbath 89 ab, s. Rasi. 8 Kethuboth 10b, Sabbath 76b.