Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 13)
- Language
- German
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46 Nicht' nur in dem eigenen Hause, auch zwischen Familien, die miteinander auf gespanntem Fuße leben, ist ein Kind zuweilen ein Friedensengel und vermittelt die Wiederaufnahme freund״ schaftlicher Beziehungen. Eine Frau schickte ihr Kind mit der Erubsspeise* 1 zur Nachbarin, mit der sie in Feindschaft lebte, Die Nachbarin hob das Kind zu sich empor und umschlang und küßte es herzlich. Als das Kind seiner Mutter von der liebevollen Aufnahme, die es bei der Nachbarin fand, erzählte, sprach sie: Ich habe gar nicht gewußt, wie gut mir meine Nachbarin ist. Das führte zur Wiederversöhnung2. Als hohes Glück wurde es angesehen, im vorgerückten Lebens״ alter noch Kinder zu bekommen, besonders wenn die früheren Kinder gestorben sind. Auf solchen Fall wendete man den Spruch an: ,,Besser ist das Ende einer Sache als ihr Anfang (Koh 7g)3“. Als Kuriosum wircKberichtet, daß dem mehr als hundertjährigen R. Josua b. Karcha ein Sohn geboren wurde. Eines Tages wollten ihn R. Jose b. Jehuda und Rabbi aufsuchen, um ihn einen interessanten Fall zur Entscheidung vorzulegen. Ein Mann hatte nämlich das merkwürdige Testament gemacht, daß ihn sein Sohn erst dann beerben soll, wenn er (der Sohn) ein Schoteh, ein Narr, geworden £ein wird. Als die zwei Gelehrten in die Wohnung des Rabbi Josua b. Karcha blickten, sahen sie den Greis auf Händen und Füßen umherhüpfen, einen Grashalm im Munde halten und seinem Söhnchen nachlaufen. Nachdem sie ihm den Fall vorgelegt hatten, sprach er lachend: die Antwort auf eure Frage, habt ihr bereits aus meinem sonderbaren Benehmen entnehmen können. Ein Mensch wird zum Narren, wenn er Kinder bekommt4. Vom Segnungen enthalten; und zwar du sollst säen und nicht ernten, d. h., du sollst Kinder bekommen, diese aber nicht durch den Tod verlieren. Du sollst in dein Haus Schwiegertöchter bringen, es möge aber nicht der Fall eintreten, daß sie infolge des Todes deiner Söhne in ihr Elternhaus zurückkehren müßten. Du sollst deine Töchter aus deinem Hause in das Haus ihrer Ehemänner bringen, aber nicht durch den Tod ihrer Männer in dein Haus zurückbringen müssen^ Dein Haus werde zerstört, damit ist das Grab gemeint, die Herberge hingegen, welche bestehen bleibe, ist das Leben hienieden^ das einer Herberge gleicht. Dein Tisch werde gestört durch die Munterkeit einer zahlreichen Kinderschar. Endlich sollst du nicht genötigt werden, dich neuerdings zu verehelichen und gemäß der Vorschrift Deuter. 24s ein neues Jahr frei zu sein. (Moed Katan 9b, Tanchuma 2b.) 1 Gemeinschaftspeise, durch welche alle Bewohner eines Hofes zu einer idealen Familie vereint werden, um Gegenstände aus dem Hause in den Hof und zurück am Sabbath tragen zu dürfen. 2 Jer. Erubin III 2; VII 9. 8 Koh. r. zur Stelle. Jer. Chagiga II, I. 4 Schocher Tob zu Psalm 9213, Jalkut Tehillim § 855, י