Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 15)
- Language
- German
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ebenso die Deutung des Wortes אפרק (Hohes Lied 30) auf die Welt, die deshalb so bezeichnet wird, weil ihr Zweck das Fruchtbarsein und Sichvermehren ist1. In den letzten Worten des Psalms 126 findet ein Lehrer das Schicksal Jakobs angedeutet und erklärt die Worte נושא אלומותיו mit Umwandlung des א in ״ עseine Knaben und Mädchen tragend"2. (Schluß folgt) Die Einleitung zu David ben Merwans Religions- Philosophie wiedergefunden. Von Dr. A. Marmorstein in London. Hätte die wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Ge־* schichte und Literatur des neunzehnten Jahrhunderts kein anderes Verdienst als die Sichtung und Klärung der vielen Namen, die aus einem bibliographischen Katalog oder Handbuch in ein anderes übergehen, so müßten wir wahrlich genug der Dankesschuld für die Werke jener Pfadfinder und Bahnbrecher in uns fühlen. Hunderte neuer und alter Namen sind in erneuter Gestalt aus dem Staube der Bibliotheken erwacht. Namen, die nichts weiter als Schatten lebten, haben neuen Glanz erhalten.' Die Nörgler, die von Totengräberarbeit sprechen, sollten doch den Schwierigkeiten, unter welchen die Förderung der Wissenschaft des Judentums, sowohl in materieller wie in geistiger Hinsicht, vorwärts schreitet, Rechnung tragen. Es gibt keine Literatur, die unter so mannigfachen Kinder■־ nissen zu arbeiten genötigt ist, wie <Iie jüdische Literatur. Dieses Uebel ist aber kein neues. Wir leiden an den Sünden vergangener Jahrhunderte. War es Parteihaß oder Gleichgiltigkeit, waren es die Einwirkungen der geschichtlichen Ereignisse oder kurzsichtige Intoleranz, die wichtige Dokumente zur inneren Geschichte der geistigen Bewegungen im Judentum teilweise vernichtet oder in die Rumpelkammern der Geniza verdammt haben? Ein Werk wie das des Gaon Saadja oder des Maimonides muß aus den geistigen und religiösen Strömungen seiner Zeit erklärt und verstanden werden. Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß Saadja öder Maimonides nicht die einzigen in ihrer Zeit gewesen sind, die vom selben Eifer erfüllt, denselben Gefahren gegenüberstehend, von denselben Motiven durchdrungen mit den Stimmen ihrer Zeit, mit dem Geiste 1 Numeri r. ,12, 4. 2 Gen. r. 79, 4, vergl. Gen. r. 82, 8 und 84, 21.