Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 12)
- Language
- German
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45 י: ■ gebar, mit Zwillingen gesegnet werden1. Die Worte der Schrift: Und die Jungen (Kinder) magst du dir nehmen (Deut. 227), wollen sagen: dir werden bei Erfüllung des Gebotes der Freilassung der Vogelmutter Kinder zuteil werden2. Die Ausübung der Tugend der Gastfreundlichkeit hat als Belohnung Kindersegen zur Folge, so bei Sarah, der Sunamiterin3 und Obed-Edom4. Je größer die Zahl der Kinder, desto größer das häusliche Glück und desto höher das Ansehen des Familienhauptes im öffentlichen Leben. Bei den Bittgebeten, die neben den angeordneten Fasten aus Anlaß anhaltender Dürre abgehalten wurden, durfte nur ein Mann als Vorbeter fungieren, der mit großer Kinderzahl gesegnet war. Nur ein solcher wurde, vermöge der größeren Andacht, die man bei ihm voraussetzte, für würdig befunden5. Kinder erscheinen als Wahrer des Friedens im Hause. Wo Kinder im Hause sind, da konzentriert sich alles Denken und alle Sorge auf sie, und sie lenken dadurch von Dingen ab, die sonst zu Aerger und Verdrießlichkeit Anlaß geboten hätten. Als die Tochter R. Gamaliels einen Sohn bekam und ihren Vater bat, ihr aus diesem Anlasse seinen Segen zu geben, sprach er: ich wünsche dir, daß Ausrufe wie ״ach!“ und 0״ weh!“ in deinem Munde nie aufhören. Wie, fragte die Tochter, ist das dein Segen? Ja, sagte der Vater, solange dein Kind lebt, mögest du nicht aufhören zu rufen: 1 ach, mein Sohn hat noch nicht getrunken, ach, mein Sohn hat noch nicht gegessen, ach, mein Sohn ist noch nicht ins Lehrhaus gegangen6. Bei Vorfällen, für welche sonst die Mutter verantwortlich gemacht würde, ist das unschuldige Kind eine Art Ableitungsobjekt. Wer hat diese Speise aufgegessen? Das Kind. Wer hat diesen wertvollen Gegenstand zerbrochen? Das Kind7. 1 Berachoth 31b, Sotah 26a, Sifre (Friedmann) Deuter. 6b, Numeri r. 9, 41. 2 Tanchuma Ki Theze 20a, Deuter, r. 6, 6. Midrasch Jelamdenu Ki Theze V (Editio Grünhut). 3 Tanchuma Ki Theze 19b. 4 Berachoth 63 b, s. Rasi, vergl. Jer. Chagiga II, 1. ל M. Taanith II, 2. Taanitlr 16a. 6 Gen. r. 26, 4. ל Gen. r. 5 ,3ל. Noch merkwürdiger klingt der Segen, den zwei Gelehrte dem Sohne des R. Simon b. Jochai erteilten. Sie sprachen: Es sei der Wille Gottes, daß du säest und nicht erntest; daß du in dein Haus hinein, aus diesem aber nicht hinausbringest; daß dein Haus zerstört werde, deine Herberge aber bestehe; daß dein Tisch gestört werde und daß du kein neues Jahr erlebest. Bestürzt kehrte der Sohn zu seinem Vater zurück und sprach: Nicht allein, daß sie mich nicht gesegnet haben, so haben sie mich durch ihre Wünsche noch betrübt und wiederholte, die ihm erteilten Wünsche. Gib dich zufrieden, sprach der Vater; in dem tiefer liegenden Sinn dieser Worte sind tatsächlich