Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 11)
- Language
- German
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44 mit Kindern segnet1. Blinder sind der Schmuck der Welt und der Frauen2. Unter den zahlreichen Himmelsschätzen gibt es nur drei, deren Obhut Gott niemand an vertraut und zu denen er'die Schlüssel selbst verwahrt; der Schatz des Regens, der Schatz der Wieder־־ belebung der Toten und der Schatz des Kindersegens3. Es war der sehnlichste Wunsch des Ehemannes, Kinder zu bekommen und von diesen weitere Nachkommenschaft zu erhalten. Nur aus diesem Wunsche heraus erscheint den Lehrern die Aüsdrucksweise Jakobs verständlich: Gib mir meine Frau, daß ich ihr beiwohne (Gen. 2921)4. Eine der quälenden Sorgen des Vaters einer Tochter war, sie könnte, wenn er sie verheiratete, kinderlos bleiben5. Andererseits versöhnte ihn der Gedanke, daß Töchter in der Regel früher als Söhne heiraten und dadurch eine raschere Vermehrung der Nachkommenschaft in Aussicht stellen. ״Kommen Töchter auf die Welt, kommt Ver־־ mehrung auf die Welt“, sagte ein palästinensischer Lehrer mit Bezug auf Gen. 6U6 * *. Die des Ehebruches unschuldig verdächtigte Frau soll als Genugtuung für die Erniedrigungen, denen sie ausgesetzt war, sich des höchsten Glückes erfreuen: sie soll, wenn sie bis dahin kinderlos war, Kinder bekommen, und wenn sie bis dahin einzelne Kinder 1 Koh. r. zur Stelle. ־ 2 Aboth VI, 8, Tosephtah Sanhedrin 11, 8 4329, Jer. Sanhedrin XI, 3. 3 Taanith 2a, vergl. Midr. Tehillim zu 78. Pesikta r. 178a, Gen. r. 73, 4, Deuter r. 7, 6, Targum Jer. zu Wajeze. Vergl. Sanhedrin 113a. 4 Gen. r. 70, 18. 5 Sanhedrin 100b nach Ben Sira 42 (10—12). 6 B. Bathra 16b, vergl. Gen. r. 26, 4. Ich möchte hier auf eine etwas dunkle Stelle im Sifre hinweisen. Zu ברוך מבנים אשד (Deuter, 33, 24) hat Sifre: אין לך בכל השבטים שנתברך בבנים באשר. Rasi führt die Stelle an und fügt hinzu: .וא־־בי יודע כיצד Ramban will in I. Ghr. 74) eine besondere Hervorhebung des Stammes Ascher und die Erfüllung des hier ausgesprochenen Segens erblicken. Mir scheint die Erklärung im Folgenden zu liegen. Im Gegensatz zu der häufigen Erscheinung, daß die Geburten von Mädchen mit weniger Freude begrüßt werden als die von Knaben, tritt R. Jochanan für eine höhere Wertschätzung des weiblichen Geschlechtes mit dem Argumente ein, daß Töchter Vermehrung bedeuten. Auf die Frage, warum, dem Hiob nicht auch die frühere Zahl seiner Töchter• verdoppelt wurde, antwortet er, daß dafür die Töchter Hiobs mit doppelter Schönheit ausgestättet wurden (B. Bathra 16b). Somit wird das Atribut der Schönheit als ein für das Moment der Vermehrung wichtiger Faktor angesehen. Nun waren nach aggadiseher Auslegung die Töchter des Stammes Ascher, infolge des ihnen zu kosmetischen Zwecken reichlich zur Verfügung stehenden Oeles, von ausnehmender Schönheit, wodurch sie allgemein begehrt waren. (Gen. r. 71 Ende, 99. 12, Tanchuma, Wien, S. 58, Jalkut § 962 Ende.) Es konnte also nicht fehlen, daß der Stamm Ascher mit zahlreicher Nachkommenschaft gesegnet war.