Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 10)
- Language
- German
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43 Für das Mädchen galt die Verehelichung im Judentume zu allen Zeiten als eine Selbstverständlichkeit; aus talmudischer Zeit ist uns kein Fall von unverehelicht gebliebenen Mädchen bekannt. Hat deine Tochter das heiratsfähige Alter erreicht, sagte ein Lehrer, so verheirate sie und sei in Stand und Würden nicht allzu wählerisch* 1. Die alte Jungfer als Typus ist den alten Rabbinen eine unbekannte Erscheinung. Der einzige Fall, auf den einmal ausgespielt wird, sei erwähnt. Mirjam, die Schwester Moses, war nach der Tradition von kränklichem und häßlichem Aussehen. Niemand wollte sie heiraten, weshalb sie längere Zeit einsam und verlassen blieb und mit ״Azübah", Verlassene, bezeichnet zu werden pflegte. Später wurde sie die Frau des Kaleb, Sohnes des Chezron (I Chronik 28). Da sprach Gott: Ich will ihr Kinder schenken, damit sie durch diese schön werde2. Der Kindersegen wird den Mann mit der Häßlichkeit der Frau versöhnen. 3. Kapitel: Kindersegen. Kinder ,sind schon nach den Aussprüchen der Bibel als ein Zeichen. göttlicher Huld, als ein Geschenk Gottes zu betrachten. Sie sind die höchsten Güter. Sie bilden den wahren Reichtum des Menschen. Wenn Naomi ihr Schicksal beklagt, daß sie ,,voll weggezogen und leer heimkehre''.(Ruth 121)> so meint sie damit nicht ihr Vermögen, sondern ihre Söhne und Töchter3. Das beim Abliefern der Zehentabgaben gesprochene Gebet: ״segne dein Volk Israel" (Deut 2615) bezieht sich nicht auf Glücksgüter, sondern auf Söhne und Töchter4. Das Gebet des Jabez: wenn du mich segnest und mein Gebiet erweiterst (I Chronik 410) deutet R. Jehuda Hanassi: wenn du mich segnest — mit Fruchtbarkeit, und mein . Gebiet erweiterst — mit Söhnen und Töchtern5. In den Worten: ״wenn euere Kinder zu euch sprechen werden" (Ex 1226) erblicken einige Lehrer für die Zukunft Israels die frohe Botschaft, daß Israel zu allen Zeiten Kinder und Kindeskinder haben werde6. ,,Besser zwei als einer" (Koh 49), d. h.: besser Mann und Frau als jedes allein für sich, der dreifache Faden (das. 12) das ist Gott, der sie Oschaja mit dem Jer. Santiedrin I, 2, erwähnten, von welchem daselbst berichtet wird, daß er während seiner Anwesenheit in Palästina die Tochter, des Samuel b. Jizchak geheiratet hatte. 1 Pessachim 113a. Vergl. Sanhedrin 76a, b. 2 Exod. r. I, 17, Tanchuma B, Wajeze 10, Agadath Bereschith c. 48. 3 Ruth r. zur Stelle. 4 Maasser ־ Scheni, V, 13. 5 Mechiltha Friedmann 60b, vergl. Temura 16a. 6 Mechiltha Friedmann 13a.