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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 42

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 42 (sequence 9)
Language
German
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macht sich einer Todessünde schuldig1, er ist gleichsam als mit dem himmlischen Banne belegt zu betrachten2. Der Tod der älteren zwei Söhne Ahrons erfolgte nur aus dem Grunde, weil sie sich nicht bestrebten, Nachkommen zu erhalten3. In ihrem Stolze auf ihre Priesterschaft glaubten sie, kein ihrer würdiges Mädchen zu finden und blieben unverheiratet4. Dem Könige Hiskia wurde nach seiner Erkrankung durch Jesaja der nahe Tod dafür angekündigt, daß er unvermählt war. Als Hiskia zu seiner Entschuldigung sagte, er glaube, daß ihm keine würdigen Söhne entstammen würden, erwiderte Jesaja: ,,Was gehen dich die Geheimnisse Gottes an? Du hattest zu tun, was deine Pflicht war5“. Von den alten Babyloniern hören wir, daß der unverheiratet sterbende Jüngling vom Zugang zur Toten weit ausgeschlossen war6. In der Tat finden wir unter den hunderten von Lehrern und Personen, welche in Talmud und Midrasch genannt werden, mit einer einzigen Ausnahme, keinen, der ehelos geblieben wäre. Diese Ausnahme war Simon b. Asai, welcher aus Furcht, im Thorastudium gehindert zu werden, keine Ehe einging, wiewohl er selbst die Ehelosigkeit verurteilte. Entschuldigend sagte er: ,,Was kann ich tun, da meine Seele so sehr am Thorastudium hängt'"7. 1 Jebamoth 64a. 2 Pesachinu 113b. 3 Jebamoth 164a. 4 Psikta B. 172b, Tanchuma B. Aehare, Tanchuma 164a. 5 Berachoth 10a, vergl. Josephus, Altertum. X, 25 f. 6 Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur, Seite 318. Ein interessantes Seitenstück zu den angeführten talmudischen Aus- Sprüchen über Ehelosigkeit bildet eine nach Dio Gassius (56־ (5 צvon Augustus an das römische Volk gehaltene Rede gegen das ehelose Leben (nach Wiesner, Scholien III 172 f.) Diese lautet: ״Man nenne uns die größten Verbrecher, man stelle sie nicht etwa nur einzeln gegen das eurige, sondern vergleiche sie alle zusammengenommen mit ihm und dennoch wird das eurige beiweiten das größte sein. Grausamer Mord ist es, daß ihr überhaupt denen das Leben nicht geben wolltet, denen ihr es geben solltet; treulos seid ihr gegen eure Väter, deren Namen und Würden ihr mit euch absterben lasset. Ruchlos seid ihr, die ihr eure Geschlechter, die nach der Götter Willen in der Reihe der Dinge fortgehen sollten, vertilget und das größte Geschenk, das Götter den Menschen geben konnten, Menschennatur, verderbet und eben dadurch Tempel und Altäre selbst umstürzet. Ihr löset die Bande des Staates, an dessen Gesetze ihr euch nicht binden wollet, werdet Verräter am Vaterlande, das ihr entkräftet und unfruchtbar machet, ihr untergrabet den Grund desselben und entzieht ihm seine künftigen Bewohner.“ 7 Jebamoth 63b, s. Bacher, Ag. Tann. I2, 4082. Ob die LehrerR. Safra, Chananja und Oschaja, von welchen Pessachim 113b berichtet wird, daß sie zur Zeit ledig waren, es auch geblieben sind, ist nicht wahrscheinlich, da es vorkam, daß man erst im Alter von 30 oder 40 Jahren heiratete. Schir r, zu 7, 3. Hymann, Toldoth Tannaim Weamoraim S. 116, identifiziert diesen

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