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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 41

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 41 (sequence 8)
Language
German
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Weingenuß wurde der vornehme Sidonier in eine fröhliche Stimmung versetzt, und im geeigneten Momente erbat sich die Frau von ihrem Manne ein Andenken zum Abschiede. Der Mann sprach: Suche Dir das Teuerste und Kostbarste in meinem Hause aus und nimm es bei deiner Rückkehr in dein Vaterhaus als Andenken mit. Als das Gastmahl zu Ende war, kam der gesteigerte Weingenuß beim Manne zur Wirkung und dieser verfiel in einen tiefen Schlaf. Auf einen Wink der Frau hoben die Diener das Bett mit dem schlafenden Herrn und trugen es in ihr Elternhaus. Um Mitternacht erwachte der Mann und fragte, wo er sich befinde. Die Frau antwortete: Du bist in meinem Elternhause. Du hast mir gestern die Erlaubnis gegeben, dasjenige in mein väterliches Haus zu tragen, was mir das Liebste und Kostbarste in deinem Hause ist; nun gibt es auf der ganzen Welt nichts, was mir teuerer und kostbarer wäre, als du, und ich habe daher dich in mein väterliches Haus tragen lassen1. Außer diesem Berichte wird in der talmudischen Literatur nur noch ein Fall von Ehescheidung infolge Kinderlosigkeit erwähnt. Ein sehr frommes Ehepaar beschloß angesichts der Erfolglosigkeit seines Ehelebens auseinanderzugehen.. Der Mann geriet bei seiner Wieder- Verheiratung in die Gewalt einer gottlosen Frau und wurde schlecht, die Frau heiratete einen gottlosen Mann, der durch sie gebessert wurde. Däraus ist zu ersehen, so schließt dieser Bericht, daß alles von der Frau abhängt2. 2. Kapitel: Die Ehelosigkeit• In der Erkenntnis, daß reicher Kindersegen die natürliche Vorbedingung für das Wachstum der Familie, für das Gedeihen und den Fortbestand des Volkes und der Menschheit bilden, daß hingegen der Hang zu Ehelosigkeit ein Zeichen des Niederganges und Verfalles ist, stehen die Rabbinen nicht an, die Ehelosigkeit auf das Schärfste zu verurteilen. Sie wetteifern förmlich miteinander im Gebrauche drastischer Bezeichnungen, in Strafandrohungen und Ausfällen über den Stand der Ehelosigkeit. Derjenige, der zur Fortpflanzung des Menschengeschlechtes nicht beiträgt, ist gleichsam ein ,Blutvergießen er verringert die Ebenbildlichkeit Gottes, ja er ist überhaupt kein Mensch3. Der Ehelose ist die Veranlassung, daß Gottes Herrlichkeit aus der Mitte Israels weicht4. Wer ehelos bleibt, 1 Schir r. zu I, 4 s. v. כגילה. (Vgl. die Weiber von Weinsberg. I. H.) 2 Genesis r. 17, 7. 3 Jebamoth 63 a. b. Zu dem Ausdrucke 5כל יהוד s. Bacher, Ag. Tann. I1, 113, 4. 4 Jebamoth 64a, Vergl. B. Kama 83a, Sifre, Friedmann 23a.

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