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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 40 (sequence 7)
Language
German
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Brautpaare auszustreuen1. In Tur-Malka, einem Gebirge in Mittel- Palästina, war es üblich, vor dem Brautpaare einen Hahn und eine Henne vorauszutragen, um sinnbildlich dem Wunsche nach zahlreicher Nachkommenschaft Ausdruck zu geben2. Derselben Symbolik gehört auch der, wie es scheint, in Babylon allgemein geübte Brauch an, am Hochzeitstage oder einige Zeit vorher, Körner der bekanntlich schnellwachsenden Gerste in einen Blumentopf zu säen und diesen vor dem Brautpaare herzutragen3. Im Mittelalter wurde das Brautpaar nach vollzogener Trauung mit einem Ei und einer Henne bewirtet4־. Der noch heute bestehende Brauch, die Trauungen unter freiem Himmel vorzunehmen, hat gleichfalls seinen Grund in dem Wunsche, es möge die Verheißung Gottes an Abraham, seine Nachkommen gleich den unzählbaren Sternen zu vermehren, in Erfüllung gehen5. Bleibt eine Ehe nach zehnjährigem Bestände kinderlos, so ist der Mann zum Eingehen einer zweiten Ehe verpflichtet. Diese Bestimmung wird von dem Verhalten Abrahams hergeleitet, der nach zehnjähriger Ehe mit Sarah die Hagar zum Weibe nahm6. In der Praxis wurde diese Bestimmung nie strenge gehandhabt. Schon im 3. Jahrhundert finden wir unter den Gelehrten eine Kontroverse darüber, ob die Gerichtsbarkeit, falls sich der Mann nicht scheiden lassen will, einzugreifen habe oder nicht7. Ueber einen Fall von Kinderlosigkeit nach zehnjähriger Ehe wird uns folgendes erzälilt: In Sidon erschien eines Tages ein Ehepaar vor R. Simon b. Jochai mit der Absicht, sich scheiden zu lassen, weil es schon zehn Jahre miteinander lebte, ohne daß seine Ehe mit Kindern gesegnet worden wäre. Der weise Lehrer merkte, daß beiden Ehegatten die Trennung schwer falle, und sagte: es wäre billig, daß ihr euer eheliches Leben in derselben Weise beschließet, wie ihr es begonnen habet. Bei einem Gastmahle habt ihr eure eheliche Verbindung gefeiert, ein Gastmahl bezeichne auch eure Trennung. Der Vorschlag fand Beifall, und das Ehepaar veranstaltete ein glänzendes Gastmahl, um den Schmerz der Trennung zu betäuben. Durch reichlichen 1 Semachoth VIII. 2 Gittin 57a. 3 Kethuboth 8a, Äh Zara 8b, Arucli s. v. אפינתא, Perles, Monatsschr. 1860, s. 348. 4 Maharil Hilch. Nissuin. Lichtschein, Die Ehe nach mosaisch talmudischer Auffassung, irrt, wenn er glaubt, das Ei sei hier ein Zeichen der Trauer. 5 Eb. haeser Kap. 61, § 1. 6 M. Jebamoth VI, 6, Tosephta Jebamoth VIII, 4 24926, Gen. r. ‘45. Anf. . 7 Kethuboth 77a, s. Eben haeser, Kap. 154, § 10.

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