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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 38 (sequence 5)
Language
German
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auf die Beschränkung der Fortpflanzung abzielten1. Darum wird es den frommen Frauen in Aegypten als hohes Verdienst angerechnet, daß sie sich durch diese Maßnahme nicht abschrecken ließen und Mittel und Wege ersannen, die Fruchtbarkeit zu fördern2. Auch die Söhne des Hohenpriester Eli sollen ähnliche Schuld auf sich geladen haben dadurch, daß sie die Darbringung der Taubenopfer, welche die Wöchnerinnen brachten, absichtlich zu verzögern pflegten und auf diese Weise die Frauen über die nötige Zeit hinaus im Heiligturne zurückhielten3. Ein Lehrer nimmt keinen Anstand, auch Josua nach dieser Richtung hin zu beschuldigen4. Die Mindestzahl der Kinder, mit welcher das Gebot der Fortpflanzung erfüllt erscheint, ist zwei, ein männliches und ein weibliches5. Es wurde jedoch niemals eine scharfe Grenzlinie gezogen zwischen der absoluten Erfüllung der formulierten Gesetzespflicht und den darüber hinausgehenden Anforderungen des sittlichen Pflichtbewußtseins. Ein Zweikindersystem wurde daraus nicht hergeleitet. Ausrufe wie: Herr, halte ein mit deinem Segen! wurden nicht vernommen. In gewöhnlichen Zeiten fiel die Sorge um die Erhaltung einer zahlreichen Kinderschar nicht allzuschwer ins Gewicht, man ging über sie vertrauensvoll hinweg, indem man sprach: Derselbe (Gott), der das Leben schenkt, spendet־ auch die Nahrung. Daher empfand man auch in dürftigen Verhältnissen eheliche Fruchtbarkeit als Glück. In Zeiten der Hungersnot allerdings, in welchen die Existenzbedingungen allgemein erschwert sind, wird auch von den Lehrern eine weise Einschränkung der Fortpflanzung empfohlen, um einer Uebervölkerung vorzubeugen6. Wir begegnen kleinen poetischen Gebilden im Gewände der Sage, durch welche die Lehrer eine zu ihrer Zeit vielleicht mehr als akademische, in das Eheleben tief eingreifende Frage in volkstümlicher Weise zur Lösung bringen wollten. Zwischen Lemech und seinen Frauen wäre ein Ehekonflikt ausgebrochen. Diese weigerten sich, im Hinblicke auf die bevorstehende Sintflut, die ehelichen Pflichten zu erfüllen, indem sie sagten: Wozu sollen wir für den Fluch der Sintflut Kinder gebären7? Ueber Vorschlag Lemechs begaben sie sich zum Urahn Adam 1 Tanchuma 130a. 2 Daselbst, Sotah 11b. 3 Jer. Kethoboth VIII, 1. Jer. Sotah I, 4, Gen, r. 85, 12, Sabbath 55b, Midr. Sam. c. 7, vergl. auch Agad. Bereschith s. 41. 4 Erubin 63a. 5 Nach Hillel (M. Jebamoth VI, 6); Schammai forderte zwei Söhne. 6 Jer. Taanith, 1., 6. Gen. r. 31, 12; 34, 7; b. Taanith 11a. 7 [Bekanntlich gibt Paulus der Ehelosigkeit den Vorzug — mit Rücksicht auf den bevorstehenden Untergang dieser Welt. I. H.]

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