Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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wird das Gewaltigste auszuführen haben; selbst die Elemente werden ihm, dem unmittelbaren Gesandten des Allmächtigen, gehorchen müssen. I Aber woraufhin soll er, der schwache Sterbliche, als der er, sich bisher gekannt hat, sich das Zutrauen? Auf Gottes Wort und Zu- Sicherung? Wird das allein bei Pharao und Israel wirken? Diese Zaghaftigkeit und dieses Mißtrauen , ein Kleinmut, von dem schwer zu sagen ist, wieviel an ihm Demut ist, ist der Sinn aller Einwendungen Moses. Es genügt ihm nicht, zu hören, daß;Gott hinter ihm stehen wird, er möchte schon jetzt mit realen Waffen und Machtmitteln ausgerüstet werden, er möchte wissen, wie und womit er auftreten soll, d. 11־. wie und womit Gott Pharao durch ihn zu überwinden gedenkt. Aber er fragt nicht plump und geradezu, sondern in scheinbai verdrossen hingeworfenen Bedenken, die nicht mehr als bescheidene oder rhetorische Fragen zu sein scheinen, versucht er, Gott, halb verlegen, halb klug zu entlocken, was dieser ihm vorzuenthalten für besser und seinem Wesen gemäß befindet. Wenn aber der kleine Mensch Gott d. i. der Zukunft gegenüber den Klugen, der es schon herausbekommen wird, spielen will, dann ist der rechte Ton der Antwort jene göttliche Ironie, welche mit erhabener Heiterkeit und lächelnder Weisheit überlegen zurückweist und doch belehrt und ermutigt entläßt. Ist es ja doch nicht eitle Neugier, die Mose treibt, sondern treue, nur kleinmütige Sorge. Das ist die Pädagogik Gottes. Es ist eine Lektionim Gottvertrauen, die Mose erhält, da er in die Geheimnisse des göttlichen Zukunf tswaltens eind ringen will. Denn das ist das Wesen des Gottvertrauens, zu wissen und sich genügen zu lassen, daß Gott hilft, und nicht schon wissen zu wollen, wie Gott helfen wird. Und der Gottesmann hat zu gehen, wohin ihn Gott sendet, und zu tun, was er ihn zur Zeit heißen wird, und nicht vorher von Gott den Weg und die Mittel einzufordern, wohl gar, um sie seiner kurzsichtigen Prüfung zu unterwerfen und davon den Gehorsam abhängig zu machen. Und es ist nicht minder eine Lektion im Vertrauen auf Israel, von dem Gott eine bessere Meinung hat als Mose. Viermal setzt Mose an und viermal antwortet Gott mit väterlieber Geduld und Nachsicht, und erst beim fünften Mal macht Gott unwillig ein Ende, das Mose einen Teil der zugedachten Würde kostet. In diesem Zweikampf von Rede und Gegenrede rückt aber die Sache ohne Aufenthalt vor, und immer offener wird schrittweise die An - deutung (aber nicht mehr als Andeutung!) des Kommenden. Scheinbar sind, wie gesagt, die Reden Moses kleingläubige und