Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
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tiefes Wasser ist der Gedanke im Herzen der Menschen, aber ein kluger Mann schöpft ihn herauf“ (Spr. 206). — Schon der Anfang ומשה היה לועה zerstört sofort eine Quellen- Scheidung. Während nämlich c. 3. 4 ein von R aus J und E (Smend PJ2E) zusammengesetzter Text sein soll, sollen die vorhergehenden Verse 223 (von ליאנחו an) bis 25 P und nach 114 gehören. Als Ausgangspunkt dieser Quellenscheidung erscheinen hier mit besonderer Deutlichkeit lediglich die Gottesnamen, alle anderen Kriterien sind erst hinterher gesuchte Stützen. Aber c. 3 ist die gradlinige Fortsetzung von c. 2. Die Schlußverse von c. 2 sind die Vorbereitung auf die Reden Gottes 3716 9־ff. (und wie wir weiter sehen werden, auf 63ff.). Die letzteren sind die Ausführung aller dort genannten Momente: Knechtschaft, Seufzer, Geschrei Jsraels. *Gott sieht, hört, gedenkt des Bundes mit den Vätern. Mit c. 3 beginnt die Nacht sich zu wenden, also soll sie vorher (v. 23) (deshalb auch der Thron- Wechsel, der keine Aenderung gebracht hat) in den schwärzesten Farben vorgestellt werden, und v. 24 f. bereitet die Wendung vor. Wären diese Verse aber von P, so hätten die viel älteren J und E ihn zur Vorlage gehabt! Wie kraftlos wäre hingegen der Uebergang von 223a zu 3!. Mit dem dem Subjekt nachgestellten היה soll eine spannende Entwickelung eingeleitet werden (vgl. Gen 12, 3lr Nu 221; II K 5! — I K 18x, 213). Gott hatte die Not Israels nicht vergessen und beschlossen, es zu retten. Aber welches wird die Anknüpfung sein? Das sollen wir jetzt hören. Es war aber Mose der‘ Hirt Jithros usw. Alles steht also in notwendigem Zusammenhang: die Flucht Moses aus Aegypten mit ihren Ursachen, die Niederlassung in Midjan, die Verschwägerung mit Jithro1 und als Einleitung zu der Gotteserscheinung 223-25. Die Absicht der Exposition ומשה היה לועה geht aber noch tiefer. Es ist durch die ganze Thora gleichbleibende Ueberzeugung, daß sich Gott keinem Propheten so unzweideutig offenbart hat wie Mose. Von Mund zu Mund hat er mit ihm geredet, in sichtlicher Offenbarung, nicht in Rätselreden und die Erscheinung Gottes hat er geschaut (Nu 126ff.). Darum muß er hier Gott mit offenen Augen und wachen Sinnen, bei seiner tägliehen Beschäftigung als Hirt und Wächter am hellen Tage gegen- 1 Daß ein tüchtiger Mann wegen persönlicher Verwicklungen aus der Heimat flüchtig wird, in der Fremde wegen seiner hervorragenden Eigenschäften zü angesehener Stellung gelangt und sich mit einem Großen des Landes verschwägert, alsdann aber zu den Seinen zurückverlangt (Joseph, Mose) ist ein uralter Erzählungstypus, wie der Roman des Sinuhe zeigt. Daß aber ein solches typisches Schicksal historisch sein kann, lehrt das Beispiel von Hadad I K ll13ff.