Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
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demselben Recht wie diese Tatsache könnte man auch das Grav i - tationsgesetz in Abrede stellen'*1!! Im Alten Testament aber ist nirgends die Spur davon, daß ein unbekannter Name, besonders der ,,große** Name Gottes eine magische Kraft habe. Wenn also die Kritik mit ihrer Erklärung bei der Mitteilung des neuen Gottesnamens stillschweigend eine hypnotische Wirkung bei den Israeliten voraussetzt, so wäre sie bei diesem kritischen Volke, wie es sich Mose und selbst Gott gegenüber auch nach den stärksten Erweisen immer wieder darstellt, gänzlich ausgeblieben. Die Offenbarung, daß Gott Ihvh heiße, hätte sie, falls sie es noch nicht wußten, nur um eine neue Vokabel bereichert und Moses Sendung nicht bekräftigt. Die Stelle ist nur im Zusammenhang der ganzen beiden Kapitel 3 und 4 zu verstehen und zu würdigen, daher wir auch auf die einleitenden Verse ausführlich eingehen wollen. Von vornherein dürfte man hier eine besonders ausgearbeitete Darstellung erwarten, wenn der Erzähler nur irgend ein Gefühl von seiner Aufgabe hatte, einer der größten und würdigsten, die es geben , konnte: den Sonnenaufgang seines Volkes aus Knechtschaft zu Freiheit unter glorreichen Machterweisen seines allgewaltigen Gottes einzuleiten. Es gilt, die Bevollmächtigung des größten aller Propheten zu dem schwersten Werk, des gewaltigsten Mannes der Vorzeit, des vertrautesten Dieners, den Gott gehabt hat und der hier zum ersten Male vor ihn hintritt, zu schildern. In der Tat ist die Erzählung gleich sehr ausgezeichnet durch ihren Tiefsinn, der jedem Worte bedeutsamen Inhalt gibt, wie durch hohe reizvolle Kunst der Darstellung und durchweht von jener göttlichen Ironie, die Höhe des Standpunktes und abgeklärte Vollendung ergeben. Es ist eine Unterredung, und was von allen guten Erzählern mit ganz besonderer Sorgfalt ausgeführt worden ist, sind die Reden. Denn die Rede tat den Weisen wie den Toren kund, den Edlen wie den Gemeinen. Auch wo die Reden kurz sind, sind sie wohlbedacht und voll Feinheit, namentlich in Rede und Gegenrede, die dem andern seine Gedanken entlocken sollen. ,,Ein 1 D. Neumark, Geschichte der jüdischen Philosophie im Mittelalter, Zweiter Band, ersten Teiles zweiter Teil, Drittes Buch, Erste Hälfte. Berlin 1910, p. 239. Wir könnten mit diesem Vergleich sehr zufrieden sein und uns die ganze folgende Untersuchung ersparen, wenn Vergleichungen Beweise wären. Denn inzwischen ist bekanntlich das Newtonsche Gravitationsgesetz durch Einstein wirklich ins Wanken gebracht worden!! Immerhin darf uns ein solches Beispiel ermutigen, selbst einer fast schon geheiligten bibelwissenschaftlichen Theorie nicht mehr ganz so gläubig wie bisher gegenüberzustehen.