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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
Mose am Dornbusch
Date
1922-01-01
Page
Seite 14 (sequence 4)
Language
German
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Alles dies dürfte völlig einleuchtend sein, und es wäre unbegreif- (ich, daß die Kritik es nicht erkannt, ja, daß sie diese Einwände nicht einmal gestreift hat, wenn ihre Blindheit nicht eine tieferliegende Ursache hätte. Die Kritik steht in der Auffassung unserer Stelle unbewußt unter dem Banne eines Aberglaubens, der in seinen Ursprüngen altägyptisch־ christlich-gnostisch ist und überdies in allen heidnischen primitiven und entarteten Religionen und Denkweisen Parallelen hat. Es ist der Aberglaube, daß gewissen bloßen Worten insbesondere Namen eine magis c h e Kraft innewohne. Vorzüglich im alten Aegypten hatte dieser Glaubean die Zauberkraft von Worten und Namen eine ungeheure Ver־ breitung und Bedeutung und über die Maßen läppische Formen. Hier in Aegypten ist er auch in das hellenistische Judentum eingedrungen und hat in Wiedergaben der biblischen Geschichte auch die Auffassung unserer Stelle bestimmt. Gefördert wurde dies durch den Umstand, daß damals bereits in der Tat der Name Gottes Ihvh auch im palästinensischen Judentum unterdrückt wurde, wenn auch diese Geheimhaltung ursprünglich einen ganz andern Sinn hatte. So erzählt denn Josephus (Ant. II124), sich auf unsere Stelle beziehend, Gott habe dem Mose seinen Namen mitgeteilt, der früher noch nie zu den Menschen gelangt sei, ,,über den zu sprechen von mir ungehörig wäre". Josephus' Darstellung aber" beruht auf dem .Mosesroman des im zweiten oder ersten vorchristlichen Jahrhundert lebenden ägyptischen Hellenisten Artapan, der als echter Aegypter Mose auch vor Pharao mit dem bloßen Namen die stärksten Wunder vollbringen läßt. Für einen Aegypter, der Ex 3 die Frage nach dem Namen Gottes las upd alsdann die Verkündigung durch Gott, der mit diesem Namen seinen Gesandten zu . Pharao schickt, damit er das Größte vollbringe, bedeutete dies, daß Gott mit dem Namen ein bisher unbekanntes wunderkräftiges Geheimnis übergab, ganz wie einst Isis dem Re seinen allmächtigen Namen, der tötet und belebt, entlockt hatte. Darnach haben wir in Artapan oder etwaigen Vorgängern, in von ägyptischem Namensaberglauben angesteckten Kreisen des alexandrinischen Judentums, die Urheber der falschen Erklärung von Ex 313ff..(und 62) zu sehen, auf welcher die moderne Quellenkritik des Pentateuchs aufgebaut ist% die für so absolut sicher gehalten wird, daß man sich zu dem Ausspruch verstiegen hat: ״Mit 1 Ausfülirlieher darüber mein: Im Namen Gottes. Eine sprachliehe und religionsgeschichtliche Untersuchung zum Alten und Neuen Testamente. Berlin 1903, bes. p. 43. 63f., 86ff., 108ff., 173ff.

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