Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Eine neue Hypothese über den Ursprung des Magén David
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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stimmte Hinweise auf eherne Gesetze der Mathematik, Erd- und Planetenkunde darstellen, auch dem mystischen Magen-David einen gebührenden Platz einräumte. Die Frage, ob das alte Judentum die Bedeutung des MD gekannt habe, wird durch die Entdeckung N.s wohl oder übel aufgerollt. Ein Benediktinerpater des Klosters Emaus in Prag, Odilo Wolff1 hat eine Rekonstruktion des Salomonischen Tempels auf der Grundlage verfaßt, dessen Höhen- und Grundrißmaße aus dem Schema des Magen-David abzuleiten, wobei gravierende Orte des Baues das Zentrum der Hexagramme abgeben. Man hat bisher von fachmännischer Seite diese Studie als gutgemeinte Verirrung aufgefaßt; vor allem deswegen, weil der fromme Pater an ein Analogon mit dem aus den Formen von Kreuz und Dreifaltigkeit (Waldsassen) vielfach abgeleiteten Kirchengrundriß gedacht haben mochte, das für das Judentum als nicht zutreffend anzusehen war. Die Entdeckungen in Tell-Hum und Tarent werden im Verein mit denen Nöthlings vielleicht zu anderen Schlüssen Veranlassung geben2. Es bleibt nur noch die wichtige Frage offen, ob aus alten jüdischen Schriften, Geräten usw. die Abb. 4 und 5 ei'kenntlich sind, d. 11. ob die vom regelmäßigen Hexagramm abweichende, schlankere oder gedrungenere Form aus alter Zeit nachweisbar ist. Mit dieser Frage wendet sich Nöthling 'an die jüdischen Gelehrten. Deren einer, Herr Heinrich Jakobsen, hat mit ihm das Gefangenenlager geteilt; ihm verdankt N. auch wertvolle kabbalistische Hinweise; mutmaßlich wohl auch sonstige Anregungen betreffs des MD. Vielleicht ist es mir gestattet, zunächst meine eigenen künstlerischen Gedanken zur Magen-David-Form zu äußern: Wo immer ich das regelmäßige Hexagramm als Kuppelusw. Bekrönung sah, fiel mir dessen gänzlich ungeeignete Form auf. Denn jeder Vertikalismus verlangt gebieterisch ein Ausklingen nach oben. Dies wird durch den traditionellen MD völlig unterbunden; er lastet sclrwer auf den Spitzen, ästhetisch gänzlich unhaltbar3. Darum 1 ,,Der Tempel von Jerusalem. Eine kunsthistorische Studie über seine Maße und Proportionen.“ Wien 1913. 2 Es wird berichtet, daß Gold zum Tempelbau auch aus O p h i r gebracht wurde. Fergusson schließt daraus auf nähere Beziehungen zu Indien, die ihn sogar veranlassen, Jachin und Boas in Form indischer Torane zu rekonstornieren. Konnte nicht auch der Sphären-M. D. oder seine Planform, wenn nicht schon aus Aegypten, durch Indien bekannt geworden sein? 3 Man denke sich zum Vergleich einen Kirchturm, der statt des üblichen Kreuzes ein solches mit gleichen Schenkeln, das einem Quadrate eingeschrieben ist, als Krönung aufweist.