Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Eine neue Hypothese über den Ursprung des Magén David
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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das Hexagramm zugleich als Freimaurerzeichen und (m Süddeutschland) als Wirtshäusschild (!) ebenso traditionell auftritt1. So ist es denn kein Wunder, daß der MD bis zum Ueberdruß und zumeist in völlig gedankenloser Weise die Fassaden, Innenwände, den heiligen Schrein, Vorhänge, Thoramäntel und alles Kunstgewerbe der Synagogen bevölkert; ja er ist das ״Verlegenheitsmotiv" der Architekten um so mehr geworden,. als diese mangels richtigerer Erkenntnis jedwede sonstige Ornamentik vermeiden zu müssen glaubten. Nur in den letzten Jahren sind dort, wo Künstler uhd nicht zu engherzige Theologen gemeinsam am Werk waren (Szegedin, Frankfurt, Essen), Gotteshäuser erstanden, die den MD nur äußerst sparsam verwenden. Ich selbst bin bei drei Synagogenbauten (abgesehen von der Dachbekrönung) gänzlich ohne dieses mir bis dahin nichtssagende Motiv fertig geworden. Daß aber das Hexagramm (entgegen meiner durch Güdemann gefestigten Ansicht) denn doch alte Beziehungen zum Judentum haben müsse, habe ich in meinem Aufsatze über Galiläa (Jahrgang 65, S.* 16 ff. der Monatsschrift) nachzuweisen gesucht; daß es dort als bloßes Steinmetzzeichen anzusehen sei, wie Krauß behauptet, glaube ich gleichfalls entschieden widerlegen zu müssen. Daß auch schon im 18. Jahrhundert die süddeutschen Juden dieses Symbol anerkannten, habe ich in meinen ״ Synagogentypen'c anläßlich einer Wiedergabe des ,,Hochzeitssteines" (Schwabach bei Nürnberg: Taf. 20, Altenkundstadt: S. 99, Nürnberg (?) nach Kirchner: Abb. 11, Sulzbach. Taf. 24; ferner Gelnhausen bei Frauberger, Notizblatt 8) hachgewiesen. Kirchner erklärt, das Werfen des Brautbechers erfolge . . . ,,nach dem Sigillum Salomonis, dem sie gar grosse Kraft wider den Teufel z ü s c h r e i b e n".. Auf deutschem Boden begegnen wir dem MD schon im Mittelalter auf der (angeblich von Karl IV. gestifteten) Fahne der Altneuschule in Prag2. Beachtenswert ist ferner die (wenn auch spärliche) Ver- 1 Die neuerdings gegen die Freimauerei erhobenen Vorwürfe sind m. E. auf diese Symbolgleichheit ebenso zurückzuführen wie der mir eines Tages zugeflüsterte ,,Verdacht“, der (nebenbei streng katholische) Inhaber eines der vornehmsten Gasthäuser Posens, der ein Aushängeschild mit MD angebracht, hatte, sei Jude. Der MD findet sich als Ornament auch an alten Backsteinbauten. (Dome zu Brandenburg und Stendal, Marktkirche Hannover, Lüneburg usw. — Grunwald a. a. O.) 2 Ob diese nicht auf Kaiser Ferdinand zurückzuführen ist, der den Prager Juden das Wappen: MD mit Schwedenhut (nicht Judenhut, wie Grunwald a. a. Ö. armimmt) stiftete, möchte ich hier nicht näher erörtern. Grunwald spricht hier irrtümlich von einem Pentagramm (?), das auch in Ofen seit 1476 der dortigen Judenfahne eigen sein soll. (Grunwald a. a. O.}