Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Eine neue Hypothese über den Ursprung des Magén David
- Date
- 1922-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Davidsschild und Hakenkreuz. Die beiden folgenden Aufsätze wurden, völlig unabhängig von einander, etwa gleichzeitig der Schriftleitung eingesandt. Die Ergebnisse ergänzen einander in eigenartiger Weise: es tritt zu Tage, daß der Magen David mit dem Judentum nur wenig zu tun hat, während das Hakenkreuz als eine Schöpfung — wenn nicht jüdischen, so doch semitischen Geistes anzusprechen ist. Die Schriftleitung. 1. Eine neue Hypothese über den Ursprung des Mag€n David. Von Prof. Dr. ing. Alfred Grotte in Breslau. Die Forschungen auf dem Gebiete jüdischer Kunst — so alt und interessant diese auch ist — sind Neuland. Auch den S y m ־ b o 1 e n des Judentums hat man bisher wenig Beachtung geschenkt, immer im Glauben befangen, der MD stelle das A nnd ß seiner Symbolik dar. Darum sind die Forschungen über diese eigenartigen zusammengeschobenen Dreiecke weit zurückgehend, haben jüdische Geister, vornehmlich Theologen und Kabbalisten, seit alten Zeiten beschäftigt; aber auch Nichtjuden haben der Erforschung dieses eigenartigen Zeichens ihre Arbeit gewidmet, immer von der Voraussetzung einer ihm innewohnenden geheimen Symbolik und Kraft ausgehend. Indessen sind die Meinungen über den Ursprung des MD bis heute nicht gekiäit. Als im 19. Jahrhundert der Bau architektonisch bedeutsamer Synagogen aufgenommen wurde und die (größtenteils nichtjüdische) Architektenschaft diese' Gotteshäuser nach dem Schema des Kirchenbaues zu erstellen sich bestrebte, glaubte sie sich nach einem Symbol umsehen zu müssen, das dem Kirchensymbol entsprach und verfiel hierbei auf das Hexagramm. Bei der völligen Hilflosigkeit1 (auch gelehrter jüdischer Theologen) der Materie jüdischer Symbolik gegenüber, wurde der MD zum äußerlichen Zeichen des Judentums erhoben; seine geometrische Gestalt zeigte sich auch für alle architektonischen und ornamentalen Zwecke recht gefügig, und so ist es denn nunmehrfür drei Generationen eine feststehende, bereits durch Tradition geheiligte Tatsache, daß der MD für die Juden dasselbe heilige Symbol sei, das Kreuz und Halbmond den anderen monotheistischen Bekenntnissen sind. Störend wirkte dabei einzig und allein der Umstand, daß 1 Vgl. auch Fraubergers Vorwort zu H. 1 seiner Mitteilungen. — Selbst Güdemann erklärte mir auf Anfrage, anläßlich des Baues meiner ersten Synagoge, der MD hätte keinerlei direkte Beziehung zum Judentum. Monatsschrift, 66. Jahrgang. 1