Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
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Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen. 73 in ihr Wesen, und daraus ist die Wissenschaft der Philosophie erwachsen, durch die der Mensch, obwohl er sterblich ist, zur Un- Sterblichkeit geführt wird. Gleichwie also die Gastgeber nicht eher zum Mahle rufen, als bis alles zur Mahlzeit Notwendige gut zubereitet ist, und die Veranstalter von gymnastischen und szenischen Wettkämpfen, bevor sie die Zuschauer in das Theater und in die Rennbahn einlassen, erst die sämtlichen Wettkämpfer und alle Genüsse für Aug’ und Ohr gut vorbereiten, so hat auch der Lenker des Alls wie ein Kampfspielordner und Gastgeber, als er den Menschen zum Mahle und zum Schauspiel rufen wollte, erst das zu beiden Nötige gut vorbereitet, damit er bei seinem Eintritt in die Welt sogleich ein Gastmahl und ein hehres Theater vorfände, ein Gastmahl, das gefüllt ist mit allem, was Erde und Flüsse und Meer und Luft zum Gebrauch und Genuß hervorbringen, und ein Theater, das mannigfaltige Schaustücke bietet von überraschendem Wesen, überraschenden Eigenschaften, erstaunlichen Bewegungen und Reigentänzen in harmonischen Ordnungen, in regelmäßigen Zahlenverhältnissen und in übereinstimmenden Umläufen/‘ Auch die Kirchenschriftsteller gebrauchen dieses Bild, so Gregor von Nyssa, Ambrosius und ähnlich das syrische ,,Buch von der Erkenntnis der Wahrheit“, vgl. Cohn a. a. O. S. 26, Einleitung S. LXXXXI und die Übersetzung S. 54 Anm. 3. Der Bischof Severian von Gabala beantwortet diese Frage folgendermaßen : ״Daß der Mensch zeitlich an letzter Stelle in die Existenz gerufen wurde, ist keine Zurücksetzung, sondern vielmehr eine Auszeichnung. Ähnlich wie die Pflanzenschöpfung des dritten Tages die vitale- Voraussetzung für die Tierwelt bildete, so sind erst mit der Vollendung des gesamten Kosmos die würdigen Daseinsbedingungen für den Menschen gegeben. Erst muß das Haus gefügt und geschmückt, werden, ehe des Hauses Herr eingeführt wird.“ S. Or. IV 5 [Migne, P. gr. LVI 462]; vgl. noch Or. IV 3 und V 2, S. 460 und 472. Das Bild vom Haus und dem Hausherrn auch bei andern Kirchen- Vätern; vgl. Zellinger, die Genesishomilien des Bischofs Severian von Gabala S. 90 f. und S. 91 Anm. 2. Jakob von Edessa spricht von Bräutigam und Hochzeitsgemach; vgl. Ginzberg, die Iiagada bei den Kirchenvätern S. 24. Ein ähnliches Bild Synhed. 108 a unten. Die Agada geht noch weiter und behauptet: ein einziger Mensch wiegt die Gesamtschöpfung auf, so R. Nehemiah in Aboth R. Nathan Kap. 31; daher: ״wer einen Menschen tötet, hat gleichsam die ganze Welt vernichtet“. S. Mischnah Synhed. IV 5, Aboth R. Nathan a. a. O. und II Rez. Kap. 36. Vgl. Sefer Musar