Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
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72 Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen. mein ganzes Werk zerstört und die Welt kehrt ins Chaos zurück.“ — Daß die Welt des Menschen wegen geschaffen wurde, ist die herrsehende Anschauung der Agada. Koh. r. zu 7,17: ״Als Gott den Menschen geschaffen hatte, führte er ihn im Paradiese herum, zeigteihm die Bäume, indem er sprach: Betrachte meine Werke, wie schön sind sie, wie herrlich! Alles aber, was ich geschaffen, habe ich deinetwegen geschaffen. Nimm dich in Acht, daß du nicht sündigst und so meine Welt zerstörst!“ Ygl. auch Mid. Zutta ed. Buber S. 113• oben. Ygl. Gen. r. XII 1 und XV 5: Gott ist stolz auf sein Werk und rühmt es. Jelamdenu in Wertheimers Ozar Midraschim S. 79: ״Der Satz, ״der die Himmel ausspannte und die Erde gründete und den Geist in der Bimst des Menschen bildete“, besagt: er spannte aus die Himmel und gründete die Erde, weil er den Geist in der Brust des Menschen bilden wollte. Dies lehrt also, daß die . Welt nur des Menschen wegen geschaffen worden.“ Dann heißt es Gen. r. VIII 5: Als Gott den Menschen erschaffen wollte, beriet er darüber mit den Engeln. Diese rieten entschieden ab: ״wozu soll dieses Unglück geschaffen werden“. Gott aber sprach:. Wenn der Mensch nicht erschaffen wird, wozu sind dann die anderen Geschöpfe geschaffen worden? Ein Palast voll mit köstlichen Genüssen, aber ohne Gäste, hat sein Besitzer Vergnügen an ihm? — Das Bild vom Gastgeber noch in Gen. r. IX 10 und XV 4. An anderen Stellen wird dieses Bild gebraucht zur Beantwortung der- Frage: warum der Mensch erst am sechsten Tage erschaffen wurde; vgl. Tosefta Synhed. VIII Ende, Babli das. 38 b und Jerusch* das. IV Ende. Das Gleichnis ausführlich bei Philo, De opificio mundi § 25 [ed. Cohn I 25 f. § 77—78]. Deutsche Übersetzung I S. 54 f. ״Es könnte aber einer nach dem Grunde fragen, weshalb der Mensch das letzte Stück der Weltschöpfung ist; denn nach allen anderen Werken hat ihn der Schöpfer und Vater geschaffen, wie die heiligen Schriften erzählen. Diejenigen nun, die tiefer in den Sinn der Gesetze eingedrungen sind und ihren Inhalt möglichst gründlich ,erforschen, geben als Grund an, daß Gott den Menschen durch die Gewährung der Vernunft, die ja die beste Gabe war, mit sich selbst verwandt machte und deshalb auch alles übrige ihm nicht mißgönnen wollte. Daß er also für ihn als das ihm verwandteste und liebste Geschöpf alles in der Welt vorher bereitete, weil er wollte, daß ihm gleich nach der Erschaffung keines der Dinge fehle, die zum Leben und zum guten Lehen notwendig sind. Zum Leben gehören reichliche Nahrungs- und Genußmittel, das gute Leben dagegen gewährt die Betrachtung der Himmelserschemungen; durch diese gefesselt, bekommt der Geist Lust und Verlangen nach Einsicht