Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 27)
- Language
- German
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erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme. 69 Rawitsch 6 Schulmeister vorhanden1). ־ Das Schulwesen fand seinen Abschluß in den Talmudhochschulen, zu deren berühmtesten die von Lissa und Posen gehörten. Nur aufklärerische Kurzsichtigkeit konnte unter solchen Umständen von der ,,traurig(st)en Verfassung des jüdischen Schulwesens“2) sprechen, weil es nicht in den Rahmen der europäischen Bildung eingespannt war, wohl auch seine religiös-dogmatische Beschränkung in sich hatte; vielmehr beschämten ,,die Juden — mit Holsche zu reden — in ihrem Unterricht die Christen“3). Sie besaßen kaum einen Analphabeten4), und mögen die in den Schulen überlieferten Kenntnisse auch nicht überschätzt werden, so ״waren sie doch in einer Volksschicht vorhanden, in deren Höhe das Polentum auch des elementarsten Wissens entbehrte“5 6). Ein Schulwerk, das ohne Schulzwang alle erfaßte, hatte es dahin gebracht, daß ״im ganzen genommen der Jude in Südpreußen ein kultivirterer Mensch als der Bürger in den kleinen Städten und der Bauer auf dem platten Lande war“4). Nur der Teil des Adels, der Reisen ins Ausland machte, übertraf die Juden an Bildung7). Diese ״Kultiviertheit“, dies Wissen wurde als religiöse Pflicht um seiner selbst willen gepflegt und im weiteren Leben ohne Unterlaß vertieft. Einen Maßstab für das geistige Bedürfnis der polnischen Juden kann man daraus ג) Lewin 118. Eggeling a. a. O., S. 9. A. VII. 20 Bl. 75. 2) A. VIII. la BI. 128. 3) Holsche II. 561. ״Denn es ist keine Judengemeinde, welche nicht eine Schulanstalt hätte, und der ärmste Jude weiß von seiner Religion mehr als die niedrige Klasse der Christenheit in Polen vom Christentum.“ 4) D. J. 1793, S. 691. 5) v. d. Brüggen 100 f. Im Netzedistrikt hatte es bei der Besitznähme auf den Dörfern 20 jüdische, aber keinen einzigen katholischen Lehrer gegeben. D. J. 1793, S. 691. \ 6) Bloch 627 (Voss an den König: 21. 1. 1794) s. a. Bloch 593. 7) Z. I. 156.