Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Bedeutung der galiläischen Synagogen-Ausgrabungen für die Wissenschaft
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 11)
- Language
- German
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26 Die Bedeutung d. galiiäischen Synagogen-Ausgrabungen f. d. Wissenschaft. erscheinen, mögen sie ornamental kaum anders hervorgetreten sein als die Blätter und Trauben, die die übrigen Felder des Rankenwerkes ausfüllen. Auch das ,,Medusenhaupt“ (Abb. 99 f) ist ebenso zu bewerten1). Bedenklicher erscheinen mir schon die Genien (Lämmer?) über den Türstürzen in Kefr-Bir'im und Ed-Dikke, die dem Beschauer ungleich näher waren. Watzinger gibt in seiner historischen Einreihung dieser Figuralornamentik eine ebenso klare als einleuchtende Erklärung, wenn er annimmt, daß die Juden diese kaiserlichen Gnadengeschenke kritiklos übernehmen mußten. Daß beim Niedergange dieser glücklichen, etwa 200 Jahre währenden Epoche die Juden alsdann, befreit von der Rücksicht auf die kaiserliche Gnade, einen wahren Bildersturm verübten und uns so die Figuren in dem heutigen, arg verstümmelten Zustand überlieferten, erscheint durchaus glaubhaft. — Im übrigen finden wir diese skrupellose Verwendung von figuraler Zier just dann wieder, als das Judentum — in der Jagellonenzeit — abermals eine politische Selbständigkeit erreicht. Es liegt vielleicht nahe, hier wie dort auf. gleiche Ursachen zu schließen, deren Ergründung von theologischer Seite durchaus erwünscht erscheint. Die figural ornamentierten Blaker der Synagoge in der Boimowgasse zu Lemberg, der kupferne Wasserbehälter des Beckens der ,,Remohschule“ in Krakau (Treibarbeiten, Darstellung Moses', Jakobs usw.2), endlich die großen figuralen (!) Wandgemälde in der Hochschul' zu Krakau, darstellend Isaaks Opferung, die Juden an den Gewässern Babylons und Noahs Arche — sie sind 1J Die Anbringung verbotener, zumeist stark erotischer figürlicher Darstellungen war bei den gotischen Steinmetzen an verborgenen Stellen des Baues besonders beliebt. (Notre Dame, Prag mit der Lutherschen Spottfigur usw.) Vielleicht haben die (nach Watz.) jüdischen Steinmetzen auch hier, in den hochgelegenen Friesen, ihr Mütchen kühlen wollen. 2) In beiden Fällen sind die Antlitze der Figuren (später wohl) verstümmelt worden.