Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Bedeutung der galiläischen Synagogen-Ausgrabungen für die Wissenschaft
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Bedeutung d. galiläischen Synagogen-Ausgrabungen f. d. Wissenschaft. 2 5 gerechnet werden; eine spätere (wenn anch natürlich noch der tannaitischen Zeit angehörige) Glosse möchte davon freilich nichts wissen, hat aber gegen den vorausgesetzten Besuch des Gotteshauses durch Frauen nichts einzuwenden. Und eine Boraitha (Ab. zara 38 a b) erlaubt einer Jüdin, ein Gericht einer Heidin zur Aufsicht zu• übergeben, solange sie sich in der Badeanstalt oder in der Synagoge befindet. Freilich wird der Besuch der Synagogen durch Frauen nicht häufig gewesen sein, da das mischnisch-talmudische (wie übrigens auch das hellenistische) Judentum der weiblichen Bewegungsfreiheit weit engere Schranken zieht als die: Bibel/‘ (Nach Mitteilungen von Dr. Heinemann.) Die eigenartige, skrupellose Ornamentik dieser Synagogen hat die Gemüter jüdischer Gelehrter schon mehrfach beschäftigt. Denn wenn man (ohne die Abbild düngen gesehen zu haben) von kelternden Männern (!),.- säugender Löwin (Dalman scheint richtiger eine Eselin zu erkennen), Kentauren (!) im Kampfe mit Löwen, Hasen, Seepferden und Adlern liest, so denkt man allerdings an ein Ketzertum, das unerklärlich erscheint. ״Und alles das vor den Augen der allerstrengsten Rabbiner und der berufensten Interpreten des mosaischen Gesetzes,“ meint Krauß. In seiner Besprechung (Lit. Zentralbl.) erklärt er dies aber für nicht so schlimm angesichts der Aufstellung von Kaiser- und Königsstatuen in Synagogen Palästinas, und Babylons. Und hierin stimme ich ihm vollständig bei,, möchte dies auch vom architektonisch-künstlerischen Standpunkt sogar noch unterstreichen. Denn Seepferd und Adler (Tell-Hum) sind—,soweit die Zeichnungen eine Schätzung zulassen — etwa 15 cm groß, ebenso die seltsamen Männlein usw. in Chorazin. Bedenkt man nun, daß diese Figürchen in größerer, zum Teil in Dachgesimshöhe angeordnet waren,, so versteht man kaum, daß sie Aufsehen hervorzurufen geeignet waren. Da ferner die kelternden Männer mit bizarrer Verrenkung in ein fortlaufendes Rankenwerk eingezwängt