Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums, 13 seiner Besonderheit. Wenn die Ethik den Einzelnen nur als Träger des allgemeinen Gesetzes kennt, das er zu erfüllen hat, wenn das religiöse Mitgefühl den Nebenmenschen zum Mitmenschen umschafft, so bringt das Schuldbewußtsein die sittliche Kraft und Tiefe des Individuums. ans Licht. In der Läuterung von der Sünde, in der Reue, in der Sßlbstheiligung der Buße, in dem Vertrauen auf Gottes Liebe und Verzeihung, in der Versöhnung mit Gott stellt sich die innigste Veibindung von Mensch und Gott her. Die Idee der Versöhnung, die Selbstheiligung der Persönlichkeit bildet den Mittelpunkt der jüdischen Religion, wie die Idee des einzigen Gottes der Gerechtigkeit und Liebe, die Idee der Schöpfung, der Offenbarung, des Messias von demselben Geiste des religiösen Idealismus durchdrungen sind. So zweifellos, es ist, daß das religiöse Bewußtsein der tiefste Grund der Cohenschen Persönlichkeit ist, so schwierig ist die Stellung der Religion im System seiner Philosophie. Jene Umbiegung des Wirklichkeitsbegriffs in die Idee der Wahrheit, die Identifizierung von Wirklichkeit und Wissen- Schaft nimmt wie dem Menschen so Gott den greifbaren Sinn ihrer Realität. Teilt der Mensch die Unbestimmtheit seiner ״Realität“ mit aller natürlichen Wirklichkeit, so wird Gott vollends zur Idee des Zusammenhanges zweier Erkenntnisgebiete. Der Ideencharakter Gottes aber schränkt seine religiöse Bedeutung zum Symbolbegriff ein. Gott wird ■die Idee der vollendeten Sittlichkeit, und es ist nicht deutlich, wie dieses Symbol Gegenstand des religiösen Bewußtseins zu werden vermag. Auch bei Cohen kommt es trotz aller persönlichen Religiosität zu einer Humanisierung der Religion, die alles ursprünglich Religiöse, d. h. Metaphysische, aufhebt, Wohl sind Leidempfinden und Sündenbewußtsein geeignet, in einer solchen Stärke erlebt zu werden, daß sie aus der Sphäre des Zeitlich-Empirischen heraustreten und zur Offenbarung des absoluten Lebensgrundes werden. Das Mitgefühl mit dem Bruder aber unterscheidet sich gerade