Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums11 ״ nur ein Teilgebiet des sittlichen Geistes. Das aber heißt, daß gerade die innerlichsten Angelegenheiten des sittlichen Lebens nicht in der rationalistischen Sphäre des Rechts, sondern in der irrationalen Tiefe des Gefühls, des Liebens und Widerstrebens, des Ringens und Suchens, ja letzthin nicht in der Sphäre des Handelns und auch nicht des Empfindens, sondern des seelischen Seins liegen. Was der ethische Rationalismus an Stoßkraft der sittlichen Forderung gewinnt, muß er entgelten an nicht reiner Anerkennung der Bedeutung des geschichtlichen Lebens für das Werden der sittlichen Ideen, an Einschränkung des sittlichen Lebens auf die Realisierung von Ideen, auf die Sphäre des Handelns. Cohen selbst erkannte diese Schwäche der rationalistischen Ethik. Seine Religionsphilosophie sollte den Ausgleich schaffen. Die Ethik hatte als das Ziel; des menschlichen Lebens das ideale Reich der Menschheit aufgestellt. Ein Ziel, zu groß, als daß es anders als in der unendlichen Arbeit des geschichtlichen Lebens verwirklicht werden könnte. So fordert die Ethik die ,Unendlichkeit der Geschichte als Schauplatz der sittlichen Idee. Was aber gewährleistet diese Unendlichkeit? Die geschichtliche Erfahrung ist nicht dazu angetan, die Unendlichkeit der sittlichen Zukunft zu sichern. Dazu genügt sie zu wenig der sittlichen Forderung, geschweige, daß sie den ewigen Fortschritt der sittlichen Arbeit auch nur wahrscheinlich machen könnte. Ohne diese Gewißheit aber schwebt alle sittliche Arbeit in der Luft. Diese Gewißheit gibt die Religion. Gott ist die Realität, die Natur und Geschichte dem sittlichen Endziel entgegenführt. Ist Gott? Was ist Gott? Die Natur als der Inbegriff naturwissenschaftlicher Erkenntnis hat an sich keine Beziehun g zum Sittlichen. Darum ist aller Pantheismus ein Rückfall in Mythologie und Verschleierung des religiösen Problems, auch eine Gefährdung des Unterschiedes von Sein und Sollen. Das Sittliche, das