Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus.den Quellen des Judentums. 9. sozialen Lebens stets zum Leitstern hatte. Nicht frommes Schwärmen, sondern gutes Handeln fordern die Propheten. Und gutes Handeln bedeutet ihnen nicht kultische Handlungen, sondern Liebe und Gerechtigkeit zu üben. Die: Absolutheit der sittlichen Ideen gegenüber den Utilitäten des Lebens halten sie aufrecht. Und gerade weil sie in ihrer Gemeinschaft wurzeln, fordern sie die Durchdringung der Gemeinschaft ihres Staates mit dem Geiste der Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist ihnen aber nicht an die Gemeinschaft ihres Volkes gebunden. Alle Völker sind berufen und verpflichtet zur Gemeinschaft des Rechts und des Friedens. Das messianische Zeitalter der Gerechtigkeit und Liebe als Erkenntnis Gottes und Erfüllung seines Willens ist ihnen das Ziel der Geschichte der Menschheit. So hebt Cohen den sozial-ethischen Idealismus und Universalismus der jüdischen Ethik wuchtig heraus. Es ist deutlich, wie der Cohensche Bau der Ethik im reinen Stil des sittlichen Idealismus errichtet ist. Eine emplängliche und reiche Natur hat an den Quellen des jüdischen, griechischen, deutschen Geistes gesogen. Propheten, Philosophen, Staatsmänner, haben ihn innerlich gebildet, die sozialen Probleme der Zeit, die geschichtsbildenden Mächte, der Nation und des Staates haben seinen Blick gefesselt,, und alle Mächte der Geschichte haben ihn dennoch nicht festgehalten. Seine Ethik errichtet er nicht auf dem Grunde des geschichtlichen Wandels, sondern auf der Höhe des Vemunftideals der wahren Menschheit. Das gibt seiner Ethik den enthusiastischen Zug prophetischer Unbedingtheit, die allen Kompromiß mit dem Relativismus des geschichtlichen Lebens verschmäht, die den Sensualismus grimmig befehdet und platonische Staatsgesinnung und Kants Imperativ des Gesetzes in jüdischem Geiste zum Ideal sozialer Gerechtigkeit vereinigt.־ Auch hier aber gilt es, auch die Mängel des ethischen Rationalismus anzuerkennen. Der ethische Rationalismus