Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums* Gedankens festgestellt. Wahrheit und Wirklichkeit des Gedachten sind ein und dasselbe. Die Wahrheit des Gedachdachten aber kann nicht anders als. durch seine Begründung sichergestellt werden. Seine Begründung aber erhält der Gedanke durch die Methode, in der er gewonnen wird. So weist das Problem der Wirklichkeit auf die Wahrheit, diese auf die Methode der Erkenntnis zuiück. Cohen ist sich des Gegensatzes seiner Anschauung zur gewöhnlichen Unterscheidung von Wirklichkeit und Erkenntnis bewußt, weist aber diese Unterscheidung zurück, da sie nur darauf beruht, daß die ,,Empfindungen“ der Individuen auf eine ,,Außenwelt“ bezogen werden. Diese Beziehung setzt aber, da die Außenwelt nicht unmittelbar gegeben ist, bereits das Denken voraus, so daß also die ,,Wirklichkeit“ der Außenwelt eine ,,gedachte“ ist. Natur ist daher der Inbegriff oder das System der Natur- Wissenschaft, welche ihre Erkenntnis in der Methode der Physik entfaltet und begründet. Die Naturwissenschaft ist die Objektivierung der Empfindungen zur Totalität eines Erkenntniszusammenhanges. Die logische Kontinuität des Erkenntniszusammenhanges ist seine Wahrheit und Wirklichkeit. Diese Kontinuität wäre zerrissen, wenn an irgend einer Stelle irrationale Momente auf das Beweisverfahren der Wissenschaft Einfluß gewännen. Auch die ״Empfindungen“ dürfen nicht als gegebenes Material der Erkenntnis anerkannt werden, sondern bedeuten im wissenschaftlichen Denken nur Problemstellungen der Forschung selbst, die in der autonomen Methode der Forschung gelöst werden. So begründet Cohen in geschlossen rationalistischem Geiste seine ״Logik der reinen Erkenntnis“, führt Cohen den Rationalismus als Waffe gegen Materialismus und Sensualismus. Aber gerade diese Absolutheit des rationalistischen Standpunktes bietet die Möglichkeit und Notwendigkeit des wissenschaftlichen Einwands. Es ist wahr, daß die Be- Ziehung der Empfindungen auf eine Außenwelt die Realität