Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen den Judentums. Methode der Naturerkenntnis, um gerade von der gleichen Voraussetzung der Geltung der Newtonschen Wissenschaft das Recht des Idealismus zu erweisen. Die Newtonsche Wissenschaft, die mathematische Physik, ist nichts weniger als eine Sammlung einzelner isolierter Beobachtungen, sondern eine konstruktive Schöpfung des mathematisch-physilcalischen Denkens. Mathematische und naturphilosophische Prinzipien wie Zahl, Raum, Bewegung, Substanz, Ursache tragen diesen Bau und begründen seine Einheit. Durch diese Prinzipien erschafft die Physik ein System von •Erkenntnissen, die die Spontaneität und die Fruchtbarkeit des wissenschaftlichen Denkens erhellen, die aber auch zeigen, daß die Natur nicht dem Forscher eine gegebene Wirklichkeit bedeutet, deren Züge er einzeln abzubilden versucht. Vielmehr gehen in.jedes einzelne Urteil über irgend ein Phänomen der Natur all die konstruktiven Voraussetzungen der mathematischen und naturphilosophisehen Prinzipien ein, auf denen die Physik ruht. Mit welchem Recht behauptet alsdann der Materialismus in der Natur־ Wissenschaft ein Abbild der Wirklichkeit zu besitzen, in ihren Begriffen die Realität selbst erfaßt zu haben? Wird nicht vielmehr durch jene konstruktiven Voraussetzungen die gesamte Naturwissenschaft nur ein subjektives Spiel mit Begriffen? Hierdurch aber würde nicht allein der Materialismus, sondern der wissenschaftliche Charakter der Natur- Wissenschaft selbst in Frage gestellt. Nur eine Revision des Verhältnisses von Natur und Naturwissenschaft vermag aus diesem Dilemma herauszuführen. Ist die Abbildstheorie durch den konstruktiven Charakter der Naturwissenschaft ausgeschlossen, so ist es nach Cohen ein nicht minderer Dogmatismus, die Naturwissen- Schaft auf eine ,,Wirklichkeit“ zu beziehen, die nicht mit der Naturwissenschaft selbst identisch wäre. Nur dasjenige ist wirklich, was wahr ist, denn erst durch die Wahrheit eines Gedankens und lediglich in ihr wird die ,,Wirklichkeit“ des