Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829903-2829905-2848119--44186-2848155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
. 2 Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums► Wahrheit, wie es die philosophische ist, die stets der wissen- 'Schaf fliehen Problemlage der Zeit entspringt. Dies gilt auch für Cohen, wie sehr er glaubte, die zeitlose ,.,Religion der Vernunft'‘ aus den Quellen des Judentums erschlossen zu haben. Die Annahme der zeitlosen Geltung seines philosophischen Systems ist vielmehr selbst geschichtlich zu verstehen und zu würdigen. Hermann Cohen gehört zu den Erneuerern der systematischen Philosophie in der Gegenwart und ist nur ausdieser Aufgabe und Leistung zu verstehen. W ohl gab es vor Cohen eine angesehene Geschichtsschreibung der Philosophie, wir nennen nur die Namen Ed. Zeller und Kuno Fischer. Aber nur schüchtern und zaghaft wagte sich eine systematische Stellungnahme zu den philosophischen Problemen hervor. Denn die Naturwissenschaft beanspruchte die Stelle der Philosophie als der Begründerin einer wissenschaftlichen Lebensanschauung und stützte diesen Anspruch auf die das. wissenschaftliche Weltbild und das soziale Leben revolutionierende Macht der naturwissenschaftlichen Entdeckungen. Die theoretische Aufhellung der Phänomene der Wärme, , des Lichts, des Magnetismus, der Elektrizität usw. hatte nicht nur die Erkenntnis der.Natur um weite Gebiete ausgedehnt, hatte nicht nur zu technischen Erfindungen geführt, die das wirtschaftliche und soziale Leben von Grund auf veränderten, sondern die allen diesen Entdeckungen zur Grundlage dienende Methode der Naturwissenschaft, ihre mechanistische Erklärungsart, schien den Schlüssel zu allen, auch den noch nicht gelösten Rätseln der Natur und Geistesweit dazubieten. Kraft und. St off, Materie und Bewegung wurden^ die Realitäten, auf die alle Wirklichkeit reduziert werden sollte. So führte der Aufschwung der Naturwissenschäften zu einem theoretischen Materialismus, der in Vogt, Büchner, Moleschott seinen Gipfel erlangte. Dieser theoretische Materialismus aber wurde zur Lebensmacht dadurch, daß er die theoretische Rechtfertigung des