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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1921) · p. Seite 3

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1921)
Article
Hermann Cohen
Date
1921-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. 3 mit der Industrialisierung und Politisierung des neuen Deutschland sich ausbreitenden Geistes des praktischen Materialismus wurde. Die Energie der wirtschaftlichen und politischen Inanspruchnahme absorbierte alle seelischen Kräfte, so daß das Interesse an geistigen Werten und der Glaube an sie sank. Aus diesen Umwälzungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, die zur Zersetzung der Geisteswelt des deutschen Idealismus geführt hatten, aber sollte auch die Erneuerung des idealistischen Geistes hervorgehen. Insbesondere vertieften die sozialen Kämpfe der neuen Gesellschaff die Erkenntnis der Zusammenhänge von Wirtschaft und Recht. Und wie hierdurch die politischen Parteien zu wirtschaftlichen wurden, nährte die erstarkende Staatsgesinnung das Bewußtsein von der Aufgabe des Staates, der sozialen Probleme Herr zu werden. Marx und Lassalle wurden die Führer zu einem neuen, dem Realismus sich entgegenstemmenden sozialen Idealismus, die Vorkämpfer einer idealistischen Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens auch in den Kreisen ihrer politischen Gegner. Und dieses Ethos entzündete eine neue Kunst, die Kunst des sozialethischen Naturalismus. Denn sowenig Blumen aus dem Sande der Wüste, vermag eine Kunst aus schwunglosen Seelen emporzublühen. Und endlich führte die Natur- Wissenschaft selbst zur Erkenntnis, daß die mechanistischatomistische Methode, ein so bedeutsames Instrument der Naturerkenntnis sie auch war, nicht zur Bewältigung des Naturproblems in seiner Ganzheit, geschweige der Probleme der geistigen und geschichtlichen Wirklichkeit hinreichte. Johannes Müller, Du Bois-Reymond, Helmhoitz brachen den Bann des Materialismus. Diese neo-idealistischen Tendenzen erhielten ihre stärkste theoretische Zusammenfassung in der Philosophie des Neukantianismus. Immer deutlicher erkannte man, daß die Spannung der Gegensätze in der Lebensanschauung der 1*

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