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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 1
Article
Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
Date
1920-01-01
Page
Seite 28 (sequence 21)
Language
German
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28 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis, Verlieren, ein sich Aufgeben an das Unendliche, dessen demütige Verehrung ihm Religion bedeutet. Der Gegensatz zwischen dieser Demut und der Mahnung zur Bescheidenheit, die Sokrates in dem Spruch des Gottes fand, bedarf nicht erst der Darlegung. Die Untersuchung' der phiionischen Theorie der Ekstase zeigt also, daß Leisegang (S. 181 f.) mit vollem Recht einen schroffen Widerspruch in Phiions Lehre findet, indem bald nur der Weise, der seinen Geist bis zur Vollkommenheit ausgebildet hat, der Prophetengabe würdig werden könne, bald im Zustande prophetischer Ekstase der Geist völlig annulliert werde und ein anderer, göttlicher Geist an seine Stelle trete. Wenn Leisegang den Widerspruch darauf zurückführt, daß einerseits die platonische Lehre vom Aufschwünge des Menschengeistes ins Reich der Ideen unter voller Behauptung der menschlichen Fähigkeiten, andererseits die griechischen Volksvorstellungen vom Einfahren von Dämonen in die Seele auf Philon wirke, so soll zwar der Einfluß dieser und verwandter Vorstellungen keineswegs bestritten werden; aber der Grund zu der Dissonanz liegt tiefer. Zwei Seelen wohnen in Phiions Brust: der anerzogene Intellektualismus des bildungsstolzen Kulturmenschen und die religiöse Demut, wohl das Erbe frommer Vorfahren, ringen um die Herrschaft in seiner Seele. Beide greifen, um feste Gestalt zu gewinnen, nach griechischen Formeln, wie sich Schiller kantischer, Goethe spinozistischer Lehren zum Ausdruck dessen bedient, was ihm von Jugend auf im Blute lag; ־ und nicht nur bei einem unselbständigen Menschen, wie es Philon gewesen zu sein scheint, gewinnen die Formeln erheblichen Einfluß auf die nähere Bestimmung der Gefühle, als deren bloße Ausdrucksmittel sie dienen sollen. Aber im Grunde bleiben sie nur Mittel, nie letzte Ursachen. — Schon in dem ersten Theologen, wie Philon mit Recht von Böusset genannt worden ist, sehen wir somit den tiefen Konflikt zum Ausdruck gelangen, der die Geschichte der Theologie durchzieht: den Konflikt zwischen

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