Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 20)
- Language
- German
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Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 27 Quelle kann kaum eine andere sein, als Poseidonios 1). Eben jene uns so ganz ungriechisch anmutende Demut, das Bewußtsein, daß die höchsten Errungenschaften des menschlichen Geistes in Wahrheit nicht dessen Werk und Verdienst sind, stammt aus einer griechischen Quelle, die sich freilich vom breiten Strombett gemeingriechischen Denkens weit, sehr weit entfernt hat. Nur in einer Hinsicht geht Philon auf diesem Wege, der unverkennbar zum Christentum, zu Pascals moi haissable überleitet, noch etwas weiter als seine Vorlage. Wir meinen seine Auffassung der Selbsterkenntnis.. Hier läßt sich besonders schön der Nachweis führen (der natürlich einmal in weitem Umfang erbracht werden muß), daß die Entwicklungslinie, die von Chrysipp (also der äLteren Stoa) zu Poseidonios führt, in Philon ihre Fortsetzung findet (um dann in den Neuplatonismus und das Christentum einzumünden). Während die ältere Stoa den Wunsch nach Selbsterkenntnis im Menschen nur in gleichem Sinne als vorhanden annimmt, wie im Tiere auch (III 178 Arn. D. La. VII 85), also als Erkenntnis seiner empirischen Beschaffenheit setzt, hatte Poseidonios (Cic. Tusc. I, 52) das jvc0$l awjzov des delphischen Gottes als nosce animum iuum erklärt, Selbsterkenntnis also als Erkenntnis des eigentlichen Selbst des Menschen, des Daimon, wie er sagte, gefaßt. Philon geht einen Schritt weiter2). Selbsterkenntnis ist ihm die Erkenntnis der eigenen Nichtigkeit und der grenzenlosen Allmacht Gottes. Hatte Poseidonios das Selbstgefühl auf das rein Geistige beschränkt, so hebt es Philon völlig auf: sich selbst finden bedeutet für ihn ein sich ג) Daß Lucan auf Poseidonios zurückgeht, vermutete schon Reitzen stein. MysterienreHgionen 150; bewiesen haben es für sein gesamtes Welt bild die beiden Münsterer Dissertationen von Bäume r und Pint er (beide 1902). Daß Plutarch gegen Platons Ion polemisiere, ist mir wegen des scharfen Tones der Polemik unwahrscheinlich. 2) Zu de von Leisegang S. 208 angeführten Stellen kommt Sacr. Ab. 55.