Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 17)
- Language
- German
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24 Phiions ,Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. Schaft, Wahrheit zu geben, ist nicht nur logisch anfechtbar,, sondern religiös bedenklich, insofern, als sie. einen Stolz des Menschen auf die Leistung seines Geistes erzeugt, der mit Phiions Begriffen von Gottergebenheit und frommer Demut nicht vereinbar scheint. Während aber Philon mit seinen Bedenken gegen den logischen Wert der Wissenschaft an weitverbreitete Strömungen des griechischen GeisteslebensH Mystik und Skepsis, anknüpfen konnte, so begibt er sich mit der Beanstandung des Stolzes auf die eigene, insbesondere wissenschaftliche Leistung zweifellos außerhalb der großen Heerstraße des griechischen Denkens, des volkstümlichen so gut wie des wissenschaftlichen. Die von ihm bekämpften Gottlosen, die dem Menschengeist wegen seiner rein geistigen und technischen Errungenschaften göttliche Ehren erweisen (Spec. leg. I 334 ff.), konnte er in allen■ Lagern finden, zumal wenn er sich nicht an den Ausdruck,, sondern an den Sinn des Gedankens hielt1); ja, selbst bei ihm macht sich der Stolz des wissenschaftlichen Forschers, wie wir sahen, oft fühlbar, manchmal sogar in etwas auf־־ dringlicher Weise. Und doch bedarf es für keinen Philonkenner der Belege dafür, daß — wenigstens in den allegorischen Schriften — es keinen größeren Frevel gibt als. den ״Dünkel“, sich selbst irgend eine Leistung, insbesondere den Gewinn der höchsten, erlösenden Erkenntnis zuzuschreiben, statt der unverdienten Gnade des Allgütigen2). In Wahrheit ist aber auch diese Tendenz nicht aus dem Judentum, sondern aus einem eigenartigen Seitenstrom griechischen Denkens geschöpft. So gewiß den Psalmisten und ב) Einiges über den Glauben an den Geist als ״Golf im Menschen״ bei L. 104 f. Hinzufügen: Sen. Ep. 31,11, wo der Geist deus in corpore humano hospitans heißt, sicher nach Poseidonios (dazu Bernays, Die Heraklitischen Briefe 39 und 136); lerner Cic. N. D. I 34 Heraclides Pon~ ticus mentem divinam putat; Diog. La. VII 119: die Weisen seien göttlich: denn sie' hätten in sich sozusagen einen Gott. Einiges bei Windisch, Die Frömmigkeit Philos 20 ff.