Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 16)
- Language
- German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 23 Zustand der Ekstase geraten will; die zweite Stufe ist die Selbsterkenntnis, gleichbedeutend mit dem Aufgeben des Selbstgefühls; die nächste ist das Zusammentreffen mit dem Logos, der dann die Ohren des Menschen in Augen verwandelt, d. h. ihn zur intuitiven Erkenntnis befähigt“ Als Vorbereitung zu diesem Prozeß dient zwar eine asketische Lebensweise (L. 215), aber kein Studium. — Auch als Quelle für diese Darstellung nimmt Leisegang S. 223 mit vollem Recht Poseidonios an; auch hinsichtlich der Vorbereitung für die Intuition gilt das Gleiche: hat doch der Stoiker z. B. darin den Pythagoreern recht gegeben, daß die Überfüllung des Magens die Intuition hindere (Cic. Div. I 62). Wenn somit unseren beiden Denkern Vernunft und Wissenschaft bald als des Menschen allerhöchste Kraft — und dann wieder als nahezu wertlos erscheinen, so liegt das zunächst an einem Widerspruch in ihrer 'Erkenntnistheorie: als Mystiker suchen sie aus den Schranken des Ich hinauszustreben und erkennen nur das Geistige als wertvoll an1) — haben aber nicht die Kraft, mit dem common sense zu brechen, der das Ich, d. h. den sinnlichen Menschen, zum Träger und das Körperliche zum Objekt der Erkenntnis macht. Dazu kommt aber eine Quelle ganz anderer, ethischer Art. Die Unklarheit in der Bewertung des menschlichen Selbstgefühls mußte die Dissonanz in der Stellung zur Wissenschaft verschärfen. Der Anspruch der Wissenkeinen Widerspruch und klingt selbst bei einem Ethiker wie Bachja Ibn Pakuda, der doch zu den eigentlichen Forschernaturen nicht zu rechnen ist, nach: vgl. seine ״Herzenspflichten״ II § 2 Ende (S. 99 der arabischen Ausgäbe). Vollends Rationalisten wie Saadja und Maimonides preisen die Pflicht und die religiös sittliche Wirkung des Studiums in höchsten Tönen. ג) Das Mißtrauen gegen das Körperliche geht bei beiden Denkern so״ weit, daß nicht nur das Denken, sondern auch das Reden, also die Tätigkeit des Logos im doppelten Sinn, sich vom Körper zu emanzipieren sucht. So ist Moses ״kein Mann der Reden41: d. h. nach Philon Quod det. pot. ins. 38 wortloser Mitteilung fähig, wie nach Poseidonios Cic. Div. I 129 die Götter: vgl. die Anm. zur Übersetzung der Stelle.