Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 15)
- Language
- German
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22 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. klar gewesen; manchmal aber bricht die richtige Erkenntnis — in kaum verhülltem Widerspruch zu Ansichten wie den angeführten — doch durch. Der erste Mensch, der ״vom göttlichen Pneuma in vollem Schwalle durchströmt, wahrhaft Eudaimon1) war“, die Patriarchen, die ״Darsteller des ungeschriebenen Gesetzes“, insbesondere Isaak, das Symbol der cffjTojm•)r^ ooip-ia, sie sind ihm Vertreter einer Verbundenheit mit der Gottheit, die gar keines Unterrichts als ihrer Voraussetzung bedarf. Und selbst der Durchschnittsmensch kann solcher Verbundenheit teilhaftig werden in einem Zustande, in welchem ihm wissenschaftliche Schulung wohl kaum zu statten kommen kann, im Schlafe. ״Wesen und Wert des Traumes faßt Philon genau so auf wie Poseidonios. Im Schlafe geht der Geist nicht zur Ruhe, er trennt sich vielmehr von den schlummernden Sinnen, die ihn nun nicht mehr durch allerlei Eindrücke, die sie ihm zutragen, verwirren. Er ist frei, hat;es nur mit sich selbst zu tun. Jetzt kann er das Geistige in seiner ganzen Klarheit, ja, selbst die Gottheit, schauen. Er gerät in Verzückung und ist imstande, selbst die Zukunft zu deuten: denn Gott offenbart sich ihm im Traume“ (L- 177 f.) Ebensowenig leisten die Wissenschaften einen Dienst für das Zustandekommen der wachen Ekstase, von der Leisegang namentlich S. 207 ff. eingehend handelt. Vielmehr ist ״die Abkehr von der Beschäftigung mit den Naturwissenschaften die erste Vorbereitung, die, ein Mensch zu treffen hat2), wenn er in den konnte ein solcher Glaube Philon so gut wie später Plotin darüber täuschen helfen, daß die Gottesaufnahme, auf die es ihnen ankommt, mit Wissenschaft nichts zu tun hat. ב) D. h. in Poseidonios’ Sinn: selig durch das Wohlbefinden des Daimon. In der Bedeutung, die im landläufigen Begriffe einer eudämonistischen Ethik vorausgesetzt wird und sich auch in Griechenland findet, hat er und Philon das Wort nicht gebraucht. 2j Man glaube nur nicht, daß hier jüdische Abneigung gegen die Wissenschaft im Spiele sei. Der Ausspruch des Talmud (Sabb. 75 a), daß der Mensch zum Studium der Gestirne geradezu verpflichtet sei, findet m. W.