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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 1 · p. Seite 21

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 1
Article
Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
Date
1920-01-01
Page
Seite 21 (sequence 14)
Language
German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 21 fahrungswissenschaften zugunsten der Metaphysik sehr weit, erheblich weiter als etwa sein — aus gleicher griechischer Quelle schöpfender — Zeitgenosse Seneca in den moralischen Briefen. Diesem, der die Wissenschaften ausschließlich nach ihrer ethischen Einwirkung bewertet (58, 26!), sind die zur Philosophie, letzten Endes zur Moralphilosophie führenden Enkyklia (die freien Künste) allerdings meritoria artificia, rudimenta, non opera (88,1); sie sind also nicht zu über״ schätzen, aber von Wert, ja, unentbehrlich. Philon dagegen ist das Ziel des Strebens nicht etwa die (xeyaXoipü^ia (Sen. Ep. 87, 35), die Bewährung im Leben selbst am Hofe eines Nero, sondern die mystische Ekstase1); und ihr kann die Wissenschaft im dargestellten Sinne nicht einmal als Vorstufe dienen2). Darüber ist sich Philon keineswegs immer noch weiter geht und sich die Gottheit selbst in halachischer Forschung begriffen denkt, so erklärt sich der Unterschied zwischen dieser und der hellenistischen Denkart weniger daraus, daß der Glaube an die Verdienstlich־ keit des Forschens als solchen (ohne Rücksicht auf sein Ergebnis) im Talmud noch stärker hervortritt als bei Platon, Poseidonios und selbst bei Philon, als vielmehr daraus, daß es den Talmudisten mit Vorstellungen wie denen vom Lehrhause der Patriarchen Sem und Eber m. E. gar nicht ganz ernst ist (oder soll Abraham wirklich den Auszug aus Ägypten gefeiert haben?) und dies exegetische Spiel kühn genug ist, in die höchsten Sphären hinüberzugreifen. Wir brauchten eine Untersuchung darüber, wie weit bei den Exegeten in Palästina (bezw׳. Babylon) und in Griechenland (auch den ITomererklärern nach der Art eines Dion von Prusa) Ernst und Spiel gehen; auch die neueste Behandlung der uns hier angehenden TalmudstelLen durch Wohlgemuth, Das jüdische Religionsgesetz II (1919), 75 ff., 81 verfolgt diesen Gesichtspunkt nicht energisch genug ג) Natürlich läßt sich auch Seneca nicht zurückhalten, ein paar mystische Stellen aus Poseidonios abzuschreiben; er hört sogar die Jenseitsbotschaft gern, allein ihm fehlt der Glaube: 102,2 u. ö. 2) Denn eine wahre Vorbereitung für die Intuition schafft die Wissen- Schaft natürlich auch dadurch nicht, daß sie den Geist aus dem Erdendust zu den Gegenständen seiner Betrachtung emporhebt, daß er bei diesen weilt: eine alte mystische Lehre (Plat. Theait. 173 E aus Pindar), die Poseidonios und Philon gern verkünden (zuletzt m. W. von Gronau, Poseidonios und die Genesisexegese 241,1 besprochen). Allerdings aber

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