Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829899-2848019--43829-2848055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. ״Ewigkeitsbedürfnis“, wie es kurz bezeichnet sei, durchaus. Die Beschäftigung mit Philosophie und Wissenschaft, meint Leisegang S. 159, sinkt zu einem Durchgangsstadium herab und tritt in den Dienst des letzten Zieles, der Ekstase. Das ist vielleicht zu viel gesagt, wenn man sich an Phiions Worte hält; fragt man nach der Tendenz, seines Spekulierens, die in seiner vielfach unselbständigen oder durch exegetischen Zwang bestimmten Ausdrucksweise nur unvollkommen zum Ausdruck kommt, könnte man eher noch weiter gehen. Zweifellos hält Philon den Begriff des Weisen in der üblichen rationalistischen Fassung fest; auch ihm ist die Philosophie (oder auch die Weisheit) die״ ׳Wissenschaft der göttlichen und menschlichen Dinge“, ganz wie Poseidonios; es ist Elternpflicht, den Sohn durch die sieben ״freien Künste“ hin־ durch zur Philosophie zu führen: denn, wie die Schrift De congressu eruditionis gratia in genauestem Anschluß an Poseidonios’ Einleitung in die Philosophie ausführt: der Geist muß sich erst der Magd (Hagarl), der Einzelwissenschaft, hingeben, ehe er hoffen darf, mit der ״Fürstin״ (Sara!), der Philosophie, in fruchtbare Verbindung zu treten. Und Weisheit in diesem wissenschaftlichen Sinn fordert Philon allerdings in schroffem Gegensatz zur biblischen Erzählung und zur jüdischen Auffassung (L. 145 sehr zutreffend!) vom Propheten: den Moses z, B. kann er sich nur wohlunterrichtet in griechischer und ägyptischer Wissenschaft vorstellen (L. 1561). — Dennoch geht er in der Entwertung der Er־• 1j Auf die bekannte rabbini sc he Vorstellung, daß die Patriarchen bereits Lehrhäuser besessen und in ihnen die Erforschung der Thora in der den Rabbinen geläufigen Art betrieben haben, möchte ich. doch hinweisen, weil mir daran liegt zu zeigen, wie nahe sich gelegentlich die Methode der aiexandrinischen und der palästinischen Exegese und Homiletik kommt und wie vorsichtig man mit der Annahme mechanischer Entlehnung übereinstimmender Deutungen sein muß. Hüben wie drüben genügt der leere Begriff der ״Weisheit“ nicht; man kann sie sich gar nicht vorstellen ohne die besondere Fassung, die sie im eigenen Kulturkreis gefunden hat — also, als Schulgelehrsamkeit. Wenn der Talmud (und die islamische Theologie)