Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 12)
- Language
- German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 19 der seine Beteiligung an der Gesandtschaft seiner Gemeinde und seine Tätigkeit für die Sicherung ihrer Heiligtümer gerade״ zu als Sündenfall und als Raub an seiner wissenschaftlichen. Arbeit empfindet, und dem großen Rhodier, der die Pflicht politischer Betätigung des Weisen nicht nur gelehrt (Cic. Off. I 154 ff.), sondern auch als Ratsherr seiner zweiten Heimat willig ausgeübt hat! Und wer wurde Philon Zutrauen, daß er an die Küsten Iberiens eilte, um Ebbe und Flut zu beobachten .und die Lehre von der weltdurchwaltenden ״Sympathie“ durch die Feststellung des Einflusses des Mondes auf die Gezeitenbildung zu begründen! Oder wenn man nach der sehr berechtigten Methode Leisegangs (S. 161) aus dem Stil auf den Menschen schließt: wie einseitig steht Philon, der nur im pathetischen Stil wirklich groß ist, neben seinem Vorbild, das mit allen Registern schaltet, die Wunder des Jenseits in feierlicher Großartigkeit zu enthüllen, aber auch die Schwächen des kleinen Gottes der Welt mit Humor und Ironie darzustellen weiß1). Philon ist eben nicht nur einseitig religiös (das waren Propheten und Psalmisten auch), sondern seine Religiosität selbst ist einseitig (in scharfem Gegensatz zu den Hirten von Bethlehem und Thekoa), jenseitig, wenn man das Wort recht verstehen will, auf Erhebung über das Leben, nicht auf Durchdringung des Lebens selbst zielend; darin liegt auch der tiefe Abstand zwischen ihm und dem breiten Strome des geschichtlichen Judentums, darin seine Berührung mit den Therapeuten. Wenn das Wort der Physis Poseidonios’ gleich ew’gem, gleich lebend’gem Sinne geheimnisvoll und klar entgegenkam, derart, daß er zwischen dem Bedürfnis nach klarer Erfassung und Durchforschung des lebendigen Sinnenbildes und nach geheimnisvoller Schau des Uebersinnlichen, Ewigen schwankt, beide Tendenzen aber einander etwa die Wage halten, — so überwiegt bei seinem jüdischen Schüler das ג) Rudberg, Forschungen zu Poseidonios, 1918, 13 ff. 0*