Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829899-2848019--43826-2848052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 17 Selbstredend ist diese Methode, die der Philosoph den — nach seiner wiederholten Versicherung — besonders ״gottnahen“ Urmenschen zuschreibt, dieselbe, die nach Philon dien vollkommeneren und gereinigteren Geistern Vorbehalten ist; die Erkenntnis aus den Werken ist 9dagegen offenbar dieselbe, die der Jude in Anlehnung an die richtige Etymologie des Namens Beseleel und wohl in Erinnerung an ein bekanntes platonisches Gleichnis als Schluss aus dem Schatten auf den Gegenstand bezeichnet« Diese zwei Erkenntnismöglichkeiten, die der ״ungleich mehr schöpfende als schöpferische“ Geist des Poseidonios friedlich nebeneinanderstellt, erweisen sich nun aber bei näherer Durchführung als kaum vereinbar. So folgt der Gelehrte in seiner Kulturgeschichte als Schüler der peripatetischen Entwickelungstheoretiker der sensualistischen Anschauung: die Empirie schuf die Techne (also die Kunst oder Wissenschaft), *wörtlich nach Aristoteles; erst aus den Einzelwissenschaften entwickelt sich allmählich die Königin der Künste, die Philosophie, seit Thaies, Pythagoras, Sokrates. Und doch bleibt es dabei, daß die höchste Erkenntnis in metaphysischen Fragen gerade den Alten zuteil geworden ist (Cic. Tusc. I 26); insbesondere gelten alte ״Priesterkönige“, wie Moses, als Träger reiner Gotteserkenntnis. Natürlich muß es infolgedessen zweierlei Arten von ״Weisen“ geben, und das hat Poseidonios in der Tat auch anerkannt (Sem Ep. 90): die Männer der Wissenschaft einerseits, aber auch die wissenschaftlich unberührten, jedoch nicht minder sittlicher Eigenschaften und auch echter Frömmigkeit fähigen Männer der Vorzeit. Scheinen sich schon hier zwei Vorstellungen von Werdegang und Wesen der höchsten Erkenntnis in störender Weise zu kreuzen, so tritt der Widerspruch noch offener zutage, wenn einerseits das Studium gewisser Natur- Wissenschaften von Poseidonios als Quelle der Gotteserkenntnis gepriesen und mit Hingabe und Opfermut geübt wird, andererseits die Sinne nicht als Zuträger, sondern geradezu als Feinde echter Erkenntnis hin gestellt werden: wenn etwa die Monatsschrift, 64. Jahrgang, 2