Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 9)
- Language
- German
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16 Phiions Lehre vom Heiligen Geist ־und der intuitiven Erkenntnis. Schatten. ... Es gibt aber noch einen vollkommneren und gereinigteren Geist, der in die großen Mysterien eingeweiht wurde: der erkennt den Urgrund nicht aus seinen Schöpfungen, wie man aus dem Schatten das diesen hervorbringende bleibende Urbild erkennt, sondern erhebt sich über das Geschöpf und nimmt eine deutliche Vorstellung des Ungewordenen in sich auf, sodäß er vom Schöpfer aus diesen selbst erfaßt“1 2 3 *). Mit dieser Scheidung zweier Erkenntnisarten, meint Leisegang S. 60, geht Philon noch einen Schritt weiter als Poseidonios. In Wahrheit schöpft er, wie ich in der Anmerkung zu meiner soeben erschienenenUebersetzung der angeführten. Stelle (L. All. III 97) gezeigt habe, gerade hier aus einer Schrift des genannten Philosophen, von der uns mehrere Auszüge erhalten sind. Poseidonios hatte im Anfänge seines Buches *Über die Götter“ die Frage nach dem Ursprung der Gotteserkenntnis aufgeworfen; die altstoische Antwort, daß man aus den Werken den Künstler erkannt habe, hatte er zwar nicht' verworfen, aber unzureichend befunden, da sie den allgemeinen Glauben an die Seligkeit der Götter nicht erkläre8); vielmehr müsse angenommen werden, daß die ersten Menschen einen besonderen Sinn (nepccTov alaft7jr/)pcov) gehabt hätten, der sie zur Erkenntnis des Wesens der Götter befähigt habe. x) Sehr bezeichnend ist der Gegensatz zwischen Philon und seinen sämtlichen jüdischen Nachfolgern in der Ableitung des Gottesglaubens. Wiewohl der Beweis aus dem consensus im Islam beliebt und, beiläufig gesagt, die Scheidung des Poseidonios zwischen den beiden Erkenntnis arten mitsamt dem für ihn bezeichnenden Glauben an eine dumpfe Gottesahnung der Tiere schon in die Theologie der Lauteren Brüder (10- Jahrhundert: Dieterici, Weltseele 38 f,) übergegangen ist, verwerten die jüdischen Denker des Mittelalters, wie zuerst D. Kaufmann, Geschichte der Attributenlehre 2,4, bemerkt hat, diesen Beweis niemals, vielleicht, weil die Autorität heidnischer Völker, wenn überhaupt anerkannt, der jüdischen Attributenlehre gefährlich werden könnte. 2) In ״Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur in deutscher Über- Setzung, herausgegeben von Leop. Cohn, III, Breslau 1919.“ 3) Sext. Math. IX 44. Daß auch diese Stelle aus Poseidonios stammt und nur ganz leicht von Sextus überarbeitet ist, kann bewiesen werden.