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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 1 · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 1
Article
Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
Date
1920-01-01
Page
Seite 15 (sequence 8)
Language
German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 15 Fragen wir also nach den griechischen Quellen, so kommt die ältere Stoa zweifellos nicht in Betracht. Diese dachte — man hat das neuerdings mit Unrecht bestritten — streng sensualistisch: der Geist ist bei der Geburt tabula rasa; erst im Laufe der Jahre entwickelt sich aus den Spuren der Sinneswahrnehmungen die Erkenntnis. Wenn neben diesem normalen Erkenntnisvorgang die Mantik als möglich galt, so hat die ältere Stoa eine Erklärung nicht versucht. Anders Poseidonios, dessen Abhängigkeit von der älteren Stoa in Bezug auf die Divinationslehre Leisegang im allgemeinen (im Anschluß an H. von Arnim) zu überschätzen scheint1). Ohne den Sensualismus der echten Stoa zu verwerfen, billigt Poseidonios die aus der Mystik stammende Lehre, daß ״Gleiches nur durch Gleiches, Sonnenlicht durch Augenlicht, Weltgeist durch den wesensgleichen Menschengeist״ erkannt werden kann (Sextus adv. Math. VII 93). Aus der Anerkennung zweier so grundverschiedener Theorien ergeben sich Unebenheiten und Widersprüche, die Poseidonios zum Teil selbst gefühlt und vergebens zu verdecken gesucht hat, die dann naturgemäß bei seinem weit unselbständigeren Schüler Philon in voller Schroffheit hervortreten, ja, durch eigene Zutaten Phiions noch gesteigert werden. Ein Beispiel macht das sofort anschaulich. Leisegang führt S. 59 ff. in ebenso zutreffender wie formschöner Weise aus, daß Philon sich gelegentlich ״von allem Wissensqualm entladen, rein zu baden sucht im Reiche des Übersinnlichen und Göttlichen, in das man nicht eindringt auf der mühsam zu erklimmenden Leiter auch der höchsten Wissenschaft, das man vielmehr nur erreicht durch ein mystisches, intuitives Schauen. ... Kosmos und Himmel zwingen dem Menschen das Staunen auf über die Erhabenheit des, der sie geschaffen. Gott aber aus seinen Werken begreifen und sein Wesen erfassen wollen, das hieße, Gott erkennen aus seinem *) S. 204 schätzt er dessen Selbständigkeit hoher ein.

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