Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 7)
- Language
- German
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14 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. I. Philons Lehre von der mystisch-intuitiven Erkenntnis und ihre Quellen. Die erste Untersuchung führt uns in eine außerordentlich wichtige Frage der Erkenntnislehre Philons ein. Es ist gar kein Zweifel: Neben dem Wege der Wissenschaft führt nach ihm der Weg der Verzückung und der Ekstase zu Gott. Ob all die Stellen in seinen Werken, an welchen er selbst der Ekstase gewürdigt worden sein will, als Bekenntnisse oder nur als Ich-Erzählungen eines von ihm nur nachempfundenen Zustandes zu gelten haben, muß wohl offen bleiben; sicher ist, daß Philon der Ekstase sehr nahe stand, ebenso sicher aber, daß er die begriffliche Darstellung dieses — eigentlich jeder Schilderung sich entziehenden — Vorganges und die Rechtfertigung seiner Bedeutung im An- Schluß an bestimmte Vorläufer vollzieht. Woher stammt sein Begriff und seine Theorie von Verzückung und übernatürlicher Erkenntnis? Nicht aus der Bibel. Denn die Visionen der schriftstellernden Propheten sind Philon völlig unbekannt1). Und wenn Philon allerdings aus Moses einen Ekstatiker macht, so dient ihm, wie Leisegang S. 150 ff. in sehr verdienstlicher Weise nachweist, das Schriftwort keineswegs als Quelle; vielmehr trägt er in die Bibel, die uns Moses weder als Verzückten noch, wie es Philon manchmal tut, als Gelehrten darstellt, völlig widersprechende Vorstellungen heidnischen Ursprungs hinein2). *) Den Propheten Jeremias erwähnt er De eher. 49, aber nicht seine Berufungs Vision. 2) Daß die Bibel ״Moses schildert als einen Mann, der nichts vermag aus eigener Kraft und eigener Weisheit, der allein Werkzeug Gottes ist“, ist richtig und hätte sich nach Ex. 18,14 ff., Num. 15,34 leicht noch.anschaulicher nachweisen lassen, als dies bei L. geschieht. Aber von einer ״Blutschuld״ des Moses oder von einer Wirkung des schlichten Hirtenlebens auf die Dämpfung seines Selbstbewußtseins (L. 152), weiß die Bibel nichts; ebensowenig hat sie ihn, wie es. nach L. 156 scheinen könnte, geradezu als ״geistlich arm“ darzustellen gesucht.