Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 6)
- Language
- German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 13 daher dem Philosophen (vergl. unseren Aufsatz im 63. Jahrg. S. 113 ff. dieser Zeitschrift) die Religion des Moses, von der er ein nicht ganz unzutreffendes Bild hatte, im höchsten Grade sympathisch war, so haben andererseits Philon und schon die Prediger, zu deren• Füßen er gesessen hat, in seiner Philosophie die Lebensanschauung des Judentums wiederzufinden geglaubt. Die Frage nach der Herkunft der Vorstellungen Phiions von der mystischen Intuition stellt sich also des näheren so: stammen diese Vorstellungen aus dem Judentum, d. h. aus der Bibel und ihrer jüdischen Auslegung? Wenn nicht, sind sie etwa griechischer Herkunft? Daß sie nicht altstoisch sind, ist leicht zu erkennen. Stammen sie aus Poseidonios? -Oder hat Philon aus dessen Quellen, volkstümlichen Mystikern und Platon, unmittelbar geschöpft, vielleicht auch orientalische, insbesondere ägyptische Spekulationen, herangezogen? Und — das ist nun die Hauptfrage — wie weit geht diesem Material gegenüber die Selbständigkeit Phiions? Vermag er die Anschauungen der Bibel־ mit wissenschaftlicher Schärfe auszusprechen und andererseits die heidnischen Vorstellungen in der Weise fortzubilden, wie seine jüdische Lebensanschauung es erfordert? Wenn es gelingt, für zwei Grundfragen der Erkenntnislehre und der Metaphysik Philons diese Frage zu lösen, so ist damit die Erkenntnis des Mannes gerade an dem Punkte gefördert, an welchem er den modernen Theologen besonders interessiert. Es wird deutlich, wie Philon die Aufgabe der Herstellung einer Beziehung zwischen Bibel und wissenschaftlicher Kultur löst, diejenige Aufgabe also, der letzten Endes die Lebensarbeit eines jeden wissenschaftlich geschulten Theologen gewidmet ist. Im Gegensatz zu Leisegang betrachten wir zunächst die Lehre von der Intuition als den allgemeineren Gegenstand, sodann, die vom Pneuma, das ja nicht immer als Träger dieser Intuition erscheint.