Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 19)
- Language
- German
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70 Besprechungen. Eigenschaften sind aber erfahrungsgemäß von jeher gewichtige Hemmnisse, ein spezifisch jüdisch es Geistesgebilde vorurteilslos gebührend zu würdigen«. Verfasser merkt offenbar nicht, daß er damit die Bibel degradiert und in den Geleisen seines Gegners wandelt, für den ja auch die Propheten weiter nichts sind als »erleuchtete Geister« der jüdischen Nation. Wir aber sagen: was im Alten Testament geschrieben steht, ist nicht spezifisch jüdisches, Geistesgebilde, sondern den Vätern und Propheten geoffenbarte Gottesworte, vom Volk Israel erlebte Gottestaten, welche der Griffel vom Geist Gottes angehauchter Männer so aufgezeichnet hat, wie es ihnen vom heiligen Geist eingegeben wurde. Zum richtigen Erfassen der heiligen Schriften gehört Sichbeugen unter das Wort und Glaube an die Göttlichkeit der Schrift; Fides praecedit intellectum. Ein Jude — es gibt deren leider viele,,— der an die Göttlichkeit der alttestamentlichen Schrift nicht glaubt, wird die Schrift, weil ihm die Kongenialität fehlt, nimmermehr verstehen,. trotzdem er Jude ist. Und ein christlicher Theologe,, dem dieser Glaube fehlt, wird bei aller Gelehrsamkeit das Alte Testament nimmermehr verstehen. Mit Recht sagt Delitzsch in seiner Leipziger Antrittsvorlesung: »Wenn man auch noch so fähig ist, den altiestamentlichen Text grammatisch zu zergliedern, so kann man doch schlechthin unfähig sein, sich theologisch in den ■Geist seines Sinnes und seiner Geschichte zu versenken.« Luthers oben mitgeteilte Erklärung des »Betruges« Jakobs gegen Laban dürfte schwerlich von einem Juden als Beweis angeführt werden, daß ein »Christ« und »Theologe« die Geschichte nicht richtig verstehen könne. Und. was der »Christ« und »Theologe« Franz Delitzsch in seinen Kommentaren geschrieben hat, .dürfte — ■ wir sehen hier' von . den neutestamentlichen, von den Juden, abgelehnten Bezugnahmen ab -— ein Beweis seih, daß er wirklich fähig war, sich in den göttlichen Geist des Alten Testaments und. seiner Geschichte zu versenken. Eine stattliche Menge mit Salz gewürzter Charakterisierungen■ der Methode, wie Professor. 'Kittel zu Werke geht,;gehört zu den besten Teilen der Schrift des Verfassers. Wir wollen bloß heraus;׳ heben, was er S. 220 seinem Gegner bezüglich seiner »Gewunden■׳ heit im Ausdruck« vörzuhalten hat: »Immer muß man.sich wieder fragen: was will Kittel äagen? was glaubt er damit bewiesen zu