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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 67

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1919-01-01
Page
Seite 67 (sequence 16)
Language
German
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Besprechungen. 67 Vertrauens zur Schriftgelehrsamkeit der alten Rabbinen. Aber eine ungeschriebene, bloß mündlich fortgepflanzte Bibel mit dem Gedächtnis festzuhalten, das allerdings wäre Sache eines »phänomenalen« Gedächtnisses gewesen. Davon ist ja aber nicht die Rede. Schon der Ausdruck מקרא für die Heilige Schrift zeigt, daß sie geschriebenes Gotteswort war, welches vor gelesen wurde. Wenig Eindruck dürfte auf den Gegner das vom Verfasser häufig beliebte Zitieren jüdischer Autoritäten machen. Dagegen wäre es wirksamer gewesen, wenn erihm etwas mehr christliche Autoritäten vorgehalten hätte. Keine unter diesen christlichen Autoritäten hätte sich wohl mehr geeignet als der von Kittel, wie schon erwähnt, selbst mit dem Prädikat eines der »vorzüglichsten Exegeten des Alten Testaments« versehene Franz Delitzsch. Zudem ist ja dieser Delitzsch wegen seiner positiven Stellung zum alttestamentlichen Offenbarungswort und wegen seiner den Juden gegen schwere antisemitische Angriffe geleisteten Abwehr für das jüdische Volk ein Gerechter, dessen Andenken zum Segen. Um so befremdender ist, daß Verfasser diesen Zeugen der Wahrheit nur dann und wann zitiert, und zwar nicht immer in freundlicher Weise. (Der einzige vom Verfasser mit Sympathie erwähnte Satz aus der Leipziger Antrittsvorlesung von Franz Delitzsch soll weiter unten angeführt werden). Auch Luther wäre ein kräftiger Verteidiger der alttestamentlichen Heiligen und des »Heiligen in Israel« gegen Kittels Herabsetzungen gewesen. Man denke zum Beispiel an die »Hirtenkniffe« Jakobs, die, wie Kittel (S. 53 des Obergutachtens) sagt, »für unser Bewußtsein moralisch immerhin nicht ganz einwand.sfrei sind« und (woran Kittel besonderen Anstoß nimmt) in der Bibel »auf die direkte Hilfe Jahwes zurückgeführt werden«. Für Luthers Bewußtsein waren diese Hirtenkniffe moralisch durchaus einwandsfrei, und dies zur Abwehr gegen Kittels Bemängelung der Heiligkeit Gottes hell und klar mitzuteilen, wäre ein Verdienst des Verfassers gewesen. Luther schreibt in seiner Schrift »Über das erste Buch Mose« (Wittenberg 1527) Bl. 263 f.: »Daß Jakob das Spiel getrieben habe aus des heiligen Geistes Eingeben und Treiben, ist klar und un• widersprechlich aus dem folgenden Text, ela es. Gott bestätigt und heißt ihn die Weiber, Gesinde und Vieh nehmen und davonziehen. Wo nun Gottes Wort gehet, soll man nicht fragen, ob’s recht sei,

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