Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 15)
- Language
- German
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66 Besprechungen. will als der er wirklich ist, das heißt als der Konkrete uax1 ££0%r1v^ Verfasser hat hier, wie öfters, philosophiert und nicht bedacht, daß ihn solches Phantasieren und Philosophieren mit der!Heiligen Schrift ebenso in Konflikt bringt, wie den Verfasser des ,Obergutachtens in seinen mancherlei Hypothesen. Immerhin ist zuzugeben, daß des Verfassers Hineintragen eigener Ideen in die Schrift in keinerlei profaner Betrachtungsweise, wie sie bei Kittel allzuoft zu Tage tritt, ihren Ursprung hat. — Die von Theodoret (Verfasser. sagt: Theodotion) überlieferte Aussprache des Tetragramms bei den Samaritanern (laße) sucht Verfasser dadurch in Frage zu stellen, daß die griechische Sprache, wenn sie semitische Wörter »hellenisieren« will, dieselben zu »korrumpieren« pflegt. Ganz richtig: wenn sie hellenisieren will. Macht denn aber auf den Verfasser das Wort laße den Eindruck eines . »heüenisierten« Fremdwortes, welches dem griechischen Idiom angepaßt worden ist? Dies Wort hat, wie jedermann zugeben wird, durchaus keinen griechischen Anstrich (es müßte doch vor allem eine griechische Endung haben), sondern sieht wie ein reines, unversehrt gelassenes Fremdwort aus. Daß die griechische Sprache viele semitische Namen genau so läßt, wie sie lauten, lehrt ein. Blick in das erste Kapitel des griechischen Neuen Testaments. — Ferner ist es verfehlt, wenn Verfasser daraus, daß den Rabbinen des Talmud die genaue Aussprache jedes Bibelwortes bekannt war, den Schluß zieht, es müsse zu den Zeiten der Tannaiten und Amoräer bereits vokalisierte Bibeltexte gegeben haben. Wenn dem so wäre, würde doch der Talmud sich keine Änderungen in der Orthographie der Bibelwörter durch Einsetzung von Lesemüttern erlaubt haben, was doch ein Eingriff in die traditionelle Textgestalt ist, sondern er würde die Bibelworte in ihrer überlieferten Gestalt gelassen, aber mit Vokalzeichen versehen haben. Nun meint Verfasser weiter, ohne ein »phänomenales« Gedächtnis sei eine getreue Fortpflanzung der richtigen Lesung eines unvokalisierten Bibeltextes nicht denkbar. Was soll man zu solchem Einwurf sagen? Ist nicht Verfasser selbst wie jeder fleißige Bibelleser im stände, eine unvokalisierte Thorarolle korrekt zu lesen? B raucht’s dazu ein »phänomenales« Gedächtnis? Die GelehrtenschuLen waren die Hüterinnen des traditionellen Vortrags der Thora ohne die Stütze von Vokalzeichen. Daran zu zweifeln wäre Zeichen eines geringen