Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 11)
- Language
- German
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62 Besprechungen. Zu den gelungensten und wirksamsten Partien in dieser Hinsicht gehört die Musterkarte der vielfarbigen und vielgestaltigen Anschauungen über Herkunft und Bedeutung des 4 buchstabigen Gottesnamens (Tetragramm). Man bekommt dadurch einen Begriff von dem Tohuwabohu oder der rudis indigestaque moles dieser durcheinanderwogenden Ideen, denen nur eips fehlt: der über den Wassern der finstern Tiefe schwebende Geist-Gottes und das »Es werde Licht l« Nicht genug betont Verfasser,, daß der Obergutachter davon abgesehen hat, den Richtern einen klaren Einblick in dieses Vielerlei von theologischen Ansichten zu geben und dadurch die ganze Unsicherheit der Situation, aufzuzeigen. Auffallender weise hat nun aber unser Verfasser den drei zuletzt aufgeführten Gelehrten (Dillmann, Lagarde, Strack), deren Erklärung des Tetragramms nach seiner Meinung der .biblischen Autointerpretation 2. Mose 3, 14 am nächsten kommt, den Namen Franz Delitzsch beizufttgen vergessen. (Nebenbei sei bemerkt) daß es ein Fehler ist, wenn Verfasser keinerTUnterschied macht zwischen »Franz Delitzsch« und seinem ihm unähnlichen Sohn »Friedrich Delitzsch«, sondern fast immer bloß »Delitzsch« sagt, wodurch er zu Mißverständnissen Anlaß gibt und den guten alten Delitzsch in seltsamen Ruf bringt). Franz Delitzsch erklärt das ,Tetragramm gemäß dem אהיה אשר אהיה, womit Gott selbst im 2. Buch Mose diesen seinen Namen erklärt. Da sogar Kittel selbst (S..71 des öbergutachtens) dem alten Delitzsch das Lob!) erteilt, »einer der größten Exegeten des Alten Testamentes« zu sein, so war es in der Tat angezeigt, diese Autorität nicht zu ignorieren. Verfasser hätte mindestens fragen können, warum Kittel trotz seines Lobes so gar keine Notiz nahm von diesem »großen Exegeten« und seiner Auffassung des Gottesnamens, warum er überhaupt die von der Bibel gegebene Erklärung verläßt und Umschau nach einer andern hält. Es ist doch zu wenig, wenn Kittel diese biblische Autointerpretation, die er mit nichten für unmöglich hält — wir x) Bezeichnend ist es für Professor Kittel, daß er Franz Delitzsch nur ein einziges Mal .für sich’ in Anspruch nimmt, und da •mit Unrecht. Es ist eine Versündigung an den Manen des frommen Delitzsch, ihm ein »abfälliges Urteil« über die Fluchpsalmen anzudichten (S'. 71 des ObeTgutachtens). Tatsächlich kann Kittel diesen,?großen.;Exegeten« überhaupt nicht als Zeugen für sich aufrufen, wie er ja wohl selbst: am besten weiß.