Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen. 57 er zu Abraham sagte, daß erst die vierte Generation nach ihm das Land zum Besitz bekommen werde, da »die Schuld der Amoriter noch nicht voll« sei. Wir sehen, daß Verfasser mit dergleichen Ideen, die übrigens auch an Unklarheiten leiden, dem Worte Gottes nicht gerecht wird. Und das ist in einer Streitschrift, wo man dem andern ,Entstellung der Bibel nachweisen will, eine mißliche Sache. So enthält auch der Schluß des uns beschäftigenden Abschnittes (S. 114) einen gewaltigen Irrtum. Verfasser meint, nach 5. Mos. 20, 11 ff. wäre den Kanaanitern »kein Haar gekrümmt worden, wenn sie sich unterworfen hätten; sie hätten dann im Besitz ihrer Wohnstätten und Privatländereien verbleiben können«. Und doch hatte Gott befohlen, sie auszurotten? und doch sollte Israel »abgesondert bleiben«, damit ihr Monotheismus nicht gefährdet würde? Die Stelle ־$. Mos. 20 redet ja aber gar nicht von Angriffskriegen gegen die Kanaaniter — so kraß widerspricht sich das Wort Gottes nicht, — sondern enthält Vor- Schriften in Bezug auf Kriege, die Israel künftig. mit nichtkanaanitischen Völkern zu führen haben wird (vgl. V. 15). Es bleibt also dabei:, die Kanaaniter sollen ausgerottet werden. :Und wenn Professor Kittel die absolute und unheilbare Verderbnis dieser Völker mit eigenen Augen gesehen hätte, würde wohl auch er seine Zustimmung zu dem Befehle Gottes gegeben und die Heiligkeit Gottes nicht anzutasten gewagt haben. Wenn Gott zur;Zeit des Noah die gesamte Menschenwelt in der großen Flut!untergehen ließ, wenn er am jüngsten Tage das letzte furchtbare definitive Gericht über die Welt halten wird, so. ist die Ursache keine andere als die; daß das. Maß der Sünde voll ist und die Langmut Gottes ein Ende;hat. Eben dies war bei den Kanaanitern der Fäll. Es war ein Weltgericht im kleinen. Wir wollen noch an einigen andern Beispielen zeigen, daß Verfasser dem Bibeltext einen falschen Sinn unterschiebt. Adams Vertreibung aus dem Paradies ist nach Meinung des Verfassers (S. 53) eine »Rangerhöhung«, die »Adam aus der niederen Sphäre <ies unwürdigen, weil unverdienten Lebensgenusses zur Freiheit einer selbstbewußten Persönlichkeit hinaufhebt«. Ist .Verfasser wirklich der Meinung, ein durch Gehorsam gegen Gottes Gebot dem Adam für immer gesicheiter Aufenthalt im Garten Eden wäre;ein:»unwürdiger« Lebensgenuß gewesen? Und glaubt er wirklich