Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 5)
- Language
- German
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56 Besprechungen. des HErrn voll werden I« Die anstelle der Vernichtung nunmehr von Gott verhängte zeitliche pädagogische Strafe soll dazu dienen, Gott zu verherrlichen, wie denn die Strafen Gottes stets dazu da sind, ilin zu verherrlichen. Diese zeitliche Strafe übt, nach Gottes allgemeiner Ökonomie, ein buchstäbliches Vergeltungsrecht (V. 22^-23; 29—36): diejenigen, welche sich in ihrer Auflehnung wider Gott den Tod in der Wüste wünschten, sterben wirklich in der Wüste, und die Kinder, welche, wie sie meinten, nimmermehr in das Land kommen würden, kommen in der Tat hinein. — Richtig, aber unnötig ist die vom Verfasser (noch dazu im Sperrdruck) hervorgehobene Bemerkung, daß die Taten Israels »des Odiums der Grausamkeit entkleidet sind, indem sie im Namen Gottes geschehen«. Hat denn Professor Kittel die Grausamkeit der Kinder Israels angefochten? ist es . nicht vielmehr der Gott Israels, dem die Rüge Kittels gilt; Ferner sagt Verfasser, immer wieder Israel verteidigend statt den Gott Israels, daß Israels Taten »Zeugen der gewaltigen Höhe eines Zweckes sind, dem, wie im modernen Staatswesen, alle anderen untergeordnet werden« (S. 112). Welches dieser »Zweck« ist, darüber drückt sich Verfasser nicht klar aus. Es scheint aber — nach dem folgenden Absatz zu schließen, — daß der Zweck,, den Israel nach seiner Ansicht verfolgte, der der »Selbsterhaltung« war. Davon weiß die Schrift nichts. Wie wenig Israel für seine Selbsterhaltung zu sorgen hatte, beweist der Auszug aus Ägypten und die Wüsten Wanderung, wo Gott für ihre Erhaltung reichlich und täglich sorgte. Israel brauchte, wenn es in Gottes Wegen wandelte, niemals um seine Nahrung und Existenz besorgt zu sein. Es ist auch keine Rede davon, daß Israel, weil von den Kanaanitern angegriffen, um seine »Selbsterhaltung« zu kämpfen gehabt hätte; vielmehr;umgekehrt hatten die Kanaaniter, von Israel angegriffen, um ihre Selbsterhaltung zu kämpfen. Der Zweck des Krieges gegen Kanaan war doch nur der, den Befehl Gottes auszuführen, und dieser Befehl Gottes hatte den Zweck, daß das zum Gericht reif gewordene Land, dessen »Missetat endlich voll geworden ׳ war«, seine Einwohner ausspie. Niemals hätte Gott den Israeliten das Land Kanaan zum Besitze gegeben, wenn die Kanaaniter nicht der Ausrottung schuldig geworden wären, und wir wissen aus r. Mos. 15, 16, wie große Geduld Gott mit den Kanaanitern hatte> indem