Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 3)
- Language
- German
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54 Besprechungen. Verfasser natürlich nicht beabsichtigte) Tragen von Wasser auf die Mühlen Kittels, der israelitische Größen herabzusetzen liebt. Wir betrachten einen andern Abschnitt, das Kapitel »Kanaaniter« . S. in. Dringend hätten wir gewünscht, daß. Verfasser gleich am Anfang dieses Abschnittes seine (allerdings ohne Namenfnennung, aber doch mit unmißverständlichem Fingerzeig gemachte) Auffassung ,von Deutschlands Vorgehen gegen Belgien im gegen-- wärtigen Kiieg aus dem Spiele gelassen hätte. Es wäre Papier- Verschwendung, wollten wir-hier diesen lediglich von;englischer ,Verlogenheit in die Welt gesetzten, vom Verfasser aber geteilten• Irrtum widerlegen. Aber wenn er die nicht als »Eroberer« in ■ Belgien׳ eingedrungenen. Deutschen mit den faktisch als Eroberer in Kanaan eingedrungenen Israeliten zusammenstelh, so kann das nicht ganz mit Stillschweigen tibergangen werden. Die Unähnlichkeit ist zu groß. Und wenn er fragt, warum Professor Kittel bei den Israeliten für »anstößig« halte, was »nach dem Kriegsbrauchdes 20. Jahrhunderts nicht als unmoralisch gilt«, so ist das eine gegenstandslose Frage, da auch von Professor Kittel ein Eindringen der Deutschen in Belgien nach dem Muster des von ihm so aufgefaßten Eindringens' der Israeliten in Kanaan für unmoralisch erklärt worden wäre. Ist es־ aber überhaupt eine Entlastung für ־ einen Räuber, wenn man auf andere hin weist, die ebenfalls geraubt haben? Rat Israel, wie nun einmal Professor Kittel es. auffaßt, unrecht getan in Kanaan einzufallen , so war’s eben unrecht. Daß* aber eben Israel nicht unrecht tat, dies allein mußte Verfasser dem Professor Kittel beweisen. Und damit kommen wir zum eigentlichen Gegenstand. Wird nun Verfasser der Bibel gerecht, wenn er das »Verlangen eines jungen, sich reckenden Volkes« (nämlich Israels) geltend macht? oder wenn er sagt: »Hat •es doch Israel mit Völkern zu tun, deren verrohte Sitten (was״Tür eine milde Übersetzung von תועבות »Greuel« 3. Mos► 15, 28!) selbst im Altertum ihresgleichen suchen«? Als ob die Entschließung Israels, in Kanaan einzudringen, mit der Eroberungslust eines »jungen ל sich reckenden Vplkes« oder ,mit dem Urteil Israels über *die eine Bestrafung heisdhende Entartung der Kana* aniter etwas zu tun gehabt hätte. Das sind fremdartige, den;׳Göttesgedanken, auf die allein es ankommt und welche eben von Professor Kittel angefochten werden, zuwiderlaufende und sie